Aufsatz 
Zwei kleine Schulreden, mit welchen die am Schlusse der Schuljahre 1845/46 und 1846/47 abgegangenen Zöglinge feierlich entlassen wurden / [K. Lade, Rector]
Entstehung
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fern man nur allgemein zu der Einſicht gelangt, daß eine Schulbildung, welche ſich im ganzen Berufsleben als tüchtig bewähren ſoll, unmöglich mit der Confirmation oder dem vierzehnten Lebensjahre abgeſchloſſen werden darf. Was ich aber nicht übergehen kann, iſt der Ausdruck des aufrichtigſten, innigſten Dankes, zu welchem uns alle, die wir in irgend einer Beziehung zu dieſer Anſtalt ſtehen, die wohl⸗ wollenden Abſichten unſerer hohen Behörden verpflichten. Daß bieſelben ihren Zweck vollſtändig erreichen mögen, iſt unſer ſehnlichſter Wunſch.

Ich wende mich nun zu Euch, geliebte Schüler, die Ihr nur heute noch unſerer Anſtalt angehört. Es ermahnt mich nicht bloß die Pflicht meines Amtes, ſondern auch der Drang meines eignen Herzens, Euch vor Euerm Scheiden noch einige Worte zuzurufen. Wenn nämlich der heutige Tag für uns alle als ein bedeutungsvoller erſcheint, ſo hat er doch für Niemanden eine größere Wichtigkeit, als gerade für Euch. Das wiſſet Ihr zwar ſelbſt: denn was uns Einer aus Eurer Mitte vorhin als ſeine Gedanken, Empfindungen und Entſchließungen vorgetragen hat, das ſehe ich ſo an, als ob ich es aus Euer aller Munde vernommen hätte. Aber deſſen ungeachtet iſt nicht zu erwarten, daß Ihr die ganze Bedeutung dieſes Tages ſchon jetzt nach allen Seiten hin vollſtändig zu ermeſſen vermöget. Manches, was Ihr, von den Eindrücken der Gegenwart befangen, jetzt nur dunkel empfindet, wird dann erſt klarer vor Eure Seele treten, wenn Ihr den Schritt gethan habt, welchen zu thun Ihr im Begriffe ſteht, Anderes aber erſt in den ſpäteren Lebens⸗ jahren zu Euerm vollen Bewußtſein kommen.

Ihr fühlet Euch jetzt von Wehmuth durchdrungen, wenn Ihr des entſchwun⸗ denen Glückes gedenket, das Euch in dem durchlaufenen Lebensabſchnitte in ſo reichem Maße beſchieden war; und doch gehet Ihr alle freudig und getroſt der Zu⸗ kunft entgegen. Das iſt der Gang der Natur. Wollet Ihr aber auch bei den kommenden Wechſeln des Lebens Euch dieſelbe Freudigkeit bewahren, und immer ebenſo getroſt der Zukunft entgegengehen; ſo werfet jetzt nochmals einen Blick zurück in den Zeitraum, den Ihr heute beſchließet, und fraget Euch: Welche mächtige Kraft ſucht uns denn hier zurückzuhalten, während uns doch unſer Sinn hinaustreibt weiter ins Leben, um dereinſt ſelbſt in das künſtliche Räderwerk der bürgerlichen