Aufsatz 
Zwei kleine Schulreden, mit welchen die am Schlusse der Schuljahre 1845/46 und 1846/47 abgegangenen Zöglinge feierlich entlassen wurden / [K. Lade, Rector]
Entstehung
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Grundlage der Wohlfahrt der Staaten, zugewandt iſt, ſchon längſt darauf bedacht, dem hieſigen Pädagogium eine größere, dem Wunſche und dem Bedürfniſſe der Gegenwart entſprechende Ausdehnung zu geben. Das wahre Bedürfniß aber zu erforſchen und die geeignetſte Abhülfe aufzufinden und mit dem Beſtehenden in Ein⸗ klang zu bringen, bot gerade hier mancherlei Schwierigkeiten dar, deren Beſeitigung die Ausführung der wohlwollenden Abſichten nothwendig etwas verzögern mußte. Unſer Pädagogium war bisher eine reine Gelehrtenſchule, d. h. ſein Lehrplan war lediglich darauf berechnet, die Zöglinge für die oberen Gymnaſial⸗ Claſſen, alſo mittelbar für die Univerſität vorzubereiten. Bei dem gewaltigen Auf⸗ ſchwunge jedoch, welchen in den letzten Jahrzehnden Künſte, Handel und Gewerbe der verſchiedenſten Art nicht nur durch den geſteigerten Verkehr der Völker unter einander, ſondern auch durch die großen Entdeckungen im Gebiete der Naturwiſſen⸗ ſchaften genommen haben, kann der Unterricht, welcher zur Vorbereitung für die Univerſitätsſtudien am geeignetſten erſcheint, denjenigen nicht mehr genügen, welche ſich mit Glück den höheren Zweigen des Geſchäftslebens widmen wollen. So wurde denn die Errichtung von ſogenannten Real⸗ und höheren Bürgerſchulen als ein dringendes Bedürfniß der Zeit erkannt. Und da auch in der hieſigen gewerb⸗ thätigen Stadt und Umgegend die Sehnſucht nach einer ſolchen Bildungsanſtalt rege geworden iſt, aber an einem Orte wie Dillenburg zwei beſondere höhere Schulen, für Studirende und Nichtſtudirende, unmöglich neben einander beſtehen können: ſo iſt von unſern hohen Behörden der Beſchluß gefaßt worden, mit dem Pädagogium, welches als Gelehrtenſchule wie bisher fortbeſtehen ſoll, zu Gunſten der Nichtſtu⸗ direnden Real⸗Claſſen in Verbindung zu bringen, und zwar in der Weiſe, daß auch die nichtſtudirenden Schüler in den erſten Jahren an dem eigentlichen Gymna⸗ ſialunterrichte, welcher von jeher als der ſicherſte Weg zur Erlangung einer gründ⸗ lichen wiſſenſchaftlichen Bildung angeſehen worden iſt, Theil zu nehmen haben; daß dieſelben aber von da an, wo die Studirenden die griechiſche Sprache zu erlernen beginnen, in einer Parallel⸗Claſſe vorzugsweiſe in neueren Sprachen, in Ma⸗ thematik und Naturkunde unterrichtet werden, und daß die oberſte Abtheilung der ganzen Anſtalt eine rein realiſtiſche, d. h. lediglich für Nichtſtudirende beſtinmt iſt. Es würde mich zu weit führen, wenn ich es verſuchen wollte, hier in eine umſtändlichere Darlegung dieſer Anordnung einzugehen, und Ihnen, hochgeehrte Anweſende zu zeigen, welche große Vortheile dieſelbe nothwendig hringen muß, wo⸗