II.
(Gehalten don 2 3. März 1817.) Hochzuverehrende Anweſende!
Gachwie einem jeden denkenden Menſchen durch den Ablauf eines Lebensjahres eine ernſte Mahnung geboten wird, einen Blick zurückzuwerfen in den verfloſſenen Zeitraum, ſich Rechenſchaft abzulegen von dem, was man gethan, was man ver⸗ ſäumt hat, und Entſchließungen zu faſſen für den neu beginnenden Lebensabſchnitt: ebenſo fühlen wir alle, die wir in irgend einer Weiſe bei dieſer Bildungsanſtalt betheiligt ſind— Vorgeſetzte, Lehrer, Schüler und deren Eltern und Angehörige— uns auch an dem heutigen Tage, mit welchem ein Schuljahr zu Ende geht, zu ernſter Betrachtung geſtimmt. Denn wir beſchließen heute einen in dem Schulleben hochwichtigen Abſchnitt, für deſſen Anwendung die Anſtalt dem Vaterlande Verant⸗ wortung ſchuldig iſt. Unwillkürlich drängen ſich die Fragen auf: Hat in dieſem Zeitraume die Anſtalt geleiſtet, was man von ihr zu fordern berechtigt war, und wird ſie auch ferner billigen Erwartungen entſprechen? Haben die ihr anvertrauten Zöglinge in ihrer geiſtigen und körperlichen Ausbildung ſolche Fortſchritte gemacht, daß alle Betheiligte zufrieden geſtellt ſind? Haben beſonders diejenigen unſerer Schüler, welche nach durchlaufenem Schul⸗Curſus uns jetzt zu verlaſſen beabſichtigen, ſo viele Kenntniſſe erlangt, und ſich ſolche Grundſätze angeeignet, daß wir ſie als hinlänglich vorbereitet entweder einer höheren Lehranſtalt oder dem bürgerlichen Ge⸗ ſchäftsleben übergeben können, ohne um ihre Zukunft beſorgt ſein zu müſſen?
Auf die Beantwortung dieſer und ähnlicher Fragen, deren Gewicht Niemand beſſer zu empfinden vermag, als gerade derjenige, deſſen unmittelbarer Leitung die


