Aufsatz 
Zwei kleine Schulreden, mit welchen die am Schlusse der Schuljahre 1845/46 und 1846/47 abgegangenen Zöglinge feierlich entlassen wurden / [K. Lade, Rector]
Entstehung
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gehen, ſo kann es auch Euch nicht gleichgültig ſein, was Eure Lehrer in Zukunft von Euch halten. Daher weiß ich Euch beim Austritte aus dieſer Anſtalt Nichts dringender ans Herz zu legen, als ſtets ſo zu leben und ſo zu handeln, daß auch noch in ſpäten Jahren Eure Lehrer mit freudigem Stolze von einem jeden von Euch ſagen können: Auch dieſer war unſer Schüler! Und wenn Ihr jemals in Zweifel gerathet, welchen Weg Ihr einſchlagen ſollt; wenn in Euerm eignen Buſen die Verſuchung erwacht, oder von außen her ſich nahet, um Euch von dem ſicheren Pfade der Tugend abzuziehen in die Irrgänge des Leichtſinnes und des Laſters: o ſo vergeſſet niemals Euch zu fragen: Was würden unſere Eltern, was unſere Lehrer dazu ſagen, wenn ſie uns in ſolchem Zweifel ſähen? Könnten ſie ſich unſer wohl noch freuen, wenn wir abwichen von der Bahn, die ſie uns bezeichnet haben als diejenige, welche allein zum wahren Heile führt?

So möge Euch denn durch Euer ganzes künftiges Leben das Bewußtſein begleiten, denjenigen, welchen Nichts theurer ſein kann, als Euer eignes Glück, nur Frude bereitet zu haben; und wenn dieſe auch ſchon längſt im Schooße der Erde ruhen, ſo müſſe doch Euer Inneres bei dem Gedanken an ſie Euch ſtets das Zeugniß geben: ſie würden auch jetzt noch Freude über uns empfinden, wenn ſie noch lebten. Dann ſind Eure Tage glücklich, und Ihr habt unſere heißeſten Wünſche und ſchönſten Hoffnungen erfüllt.