Aufsatz 
Zwei kleine Schulreden, mit welchen die am Schlusse der Schuljahre 1845/46 und 1846/47 abgegangenen Zöglinge feierlich entlassen wurden / [K. Lade, Rector]
Entstehung
Einzelbild herunterladen

für Witwen und Waiſen überhebt. Und welcher Staat könnte in dieſer Hinſicht mit dem durch ſo viele weiſe Einrichtungen ausgeöichmien Harzoachume Naſſau ver⸗ glichen werden?

Mit innigem Danke gegen die göttliche Vorſehung wurde ich daher erfüllt, als ich im Frühjahre des verfloſſenen Jahres durch die Gnade Sr. Hoheit unſeres allverehrten Herzogs zu meinem jetzigen Amte berufen wurde. Schmerzlich war es mir freilich, ſo Vieles, was mir ſo theuer geworden war, auf immer zu ver⸗ laſſen; und ob mir für das Aufgegebene der gehoffte Erſatz werden würde, ob es mir gelingen würde, das Vertrauen meiner Vorgeſetzten, welches ich dort genoß, mir auch hier unter ganz andern Verhältniſſen zu bewahren; ob ich die Freude, welche ich in meinem dortigen Wirkungskreiſe fand, in demſelben Grade auch hier wieder finden würde: wer vermochte mir dieſe und ähnliche Fragen nach meinem Wunſche zu beantworten? Ich folgte inzwiſchen dem an mich ergangenen Rufe, und daß ich es nicht bereue, verdanke ich nicht bloß der freundlichen Begegnung, welche mir hier von allen Seiten zu Theil wurde, ſondern auch dem rühmlichen Verhalten der Zöglinge dieſer Anſtalt und namentlich der bisherigen erſten Claſſe, der ich hier gern das verdiente Lob ertheile, daß ſie mir ebenſowohl durch ihr ſittli⸗ ches Betragen als auch durch Fleiß und erwünſchte Fortſchritte Freude bereitet hat. Wenn ich mich auch zuweilen veranlaßt ſah zu ermahnen und zu tadeln, ja ſelbſt Strafe nicht ganz ausgeſchloſſen werden konnte; ſo hatten dieſe Mittel doch immer den gehofften Erfolg, und das Streben nach ſittlicher und geiſtlicher Vervoll⸗ kommnung war niemals zu verkennen.

Ihr habt es vernommen, geliebte Schüler, welches Lob Euch ſo eben vor dieſer hochgeehrten Verſammlung ertheilt worden iſt. Indem ich aber offen bekenne, daß ich beim Rückblicke auf Euer bisheriges Verhalten Freude empfinde, ſpreche ich zugleich die zuverſichtliche Erwartung aus, daß dieſe Freude auch durch Euer künf⸗ tiges Verhalten nicht geſchmälert werde. Mag auch das äußere Verhältniß, in welchem wir bisher zu einander ſtanden, mit dem heutigen Tage aufgelöſt werden, glaubet ja nicht, daß es mir gleichgültig ſei, was ich in Zukunft von Euch erfahre; und wenn Ihr ſelbſt wahrhaft beſorgt ſeid für Euer zeitliches und ewiges Wohler⸗