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Schrift, und an jegliches Volk nach ſeiner Sprache, und bekannt gemacht wurde, daß jeder Mann der Herr in ſeinem Hauſe ſei und reden möge nach der Sprache ſeines Volkes(Buch Eſther, I, 22.)
Es iſt ja möglich, daß irgend eine fremde Sprache ſchöner iſt als die deutſche; aber iſt darum eine mit Fremdwörtern durchſetzte Sprache ſchöner als eine reine und ungemiſchte? Der Sinn für Schönheit und Ebenmaß kann nicht gedeihen, wenn man ſeine Rede mit allerlei Fremd⸗ wörtern ausſtattet. Denn ſchon äußerlich weicht deren Klang und Betonung von den deutſchen merklich ab. Ein Fremdwort unterbricht das Ebenmaß der Sprache wie ein Hindernis, das plötzlich in den klar und eben dahinfließenden Bach geworfen wird. Und dabei wolle man noch bedenken, daß derjenige Deutſche, deſſen Zunge nicht an die fremde Ausſprache gewöhnt iſt, notwendig etwas Unſchönes hervorbringen muß, und dann iſt der Wohlklang erſt recht verletzt. Nein, eine ſo bunt⸗ ſcheckige Sprache iſt gewiß nicht ſchöyn. Was würde man zu einem franzöſiſchen Satze ſagen, der etwa lautete: il y avait beaucoup de Vergnügen? Geſchmacklos! Aber: es gab viel Plaisir? Wunderbar ſchön!— Und was für Ungetüme ſind das bisweilen, für die wir unſere eigenen Wörter hingeben? Incompatibilität(Unverträglichkeit), Inconſtitutionalität(Verfaſſungs⸗ widrigkeit), Individualität(Eigenart), Univerſalität(Allſeitigkeit), Inſubordination (Ungehorſam, Widerſetzlichkeit), und Hunderte anderer klingen nicht ſchöner als das deutſche Wort— und das ſchon, wenn man ſie ſo ſpricht, wie ſie geſchrieben werden; engliſche oder franzöſiſche Wörter berühren das Ohr natürlich noch unangenehmer.
Die Sprachmengerei verhindert endlich auch die Weiterentwickelung unſerer Sprache, die doch anerkanntermaßen ſo außerordentlich bildſam iſt, dadurch, daß ſie ſowohl die ſprachgemäße Bildung neuer Wörter als unnötig erſcheinen läßt— man nimmt eben lieber ohne weiteres ein Fremd⸗ wort auf—, als auch gute deutſche Wörter verdrängt. Kaum kennt irgend ein Deutſcher noch alle Wörter ſeiner Sprache; und wie viele prächtige Wörter ſtecken in einzelnen Gegenden, in der Volksſprache, wert allgemein bekannt und gebräuchlich zu werden! Man ſchlage einmal Grimms Wörterbuch auf! So zeigt ſich auch hier wieder recht deutlich, daß die Fremdwörter kein Segen für uns ſind— aber wir mögen nicht von ihnen laſſen. Darum ſind auch die Mahn⸗ und Warnrufe, die ſich ſeit Jahrhunderten haben vernehmen laſſen, unbeachtet verhallt, und erſt in allerneueſter Zeit beginnt es hie und da beſſer zu werden. Hierüber ſoll nun zum Schluß kurz berichtet werden.
V.
Schon im 15. Jahrhundert wird über Verwälſchung der Sprache geklagt. Doch ſoll Luther, der Schöpfer der neuhochdeutſchen Schriftſprache, in ſeiner Bibelüberſetzung kaum ein Viertelhundert, meiſt ſogar bekannter Fremdwörter, haben; für die Predigt empfiehlt er ausdrücklich reines, für jeden Mann aus dem Volke verſtändliches Deutſch. Auch die Meiſterſinger waren gehalten rein deutſch zu ſingen. Im folgenden Jahrhundert beginnt Martin Opitz im Bunde mit mehreren norddeutſchen Fürſten(darunter der große Kurfürſt v. Brandenburg) den Kampf gegen die Mißhandlung der Sprache, namentlich gegen die franzöſiſchen Fremdwörter: die frucht⸗ bringende Geſellſchaft(1617), welcher auch Opitz angehört, will für Reinhaltung der Schrift⸗ ſprache wirken. Man kann J. H. Campe nur beiſtimmen, wenn er es einen Undank nennt, daß wir dieſe Geſellſchaft nur von ihrer lächerlichen, nicht aber von ihrer würdigen, ſehr verdienſtlichen Seite zu kennen ſcheinen: hat ſie doch der allgemeinen Verkehrtheit mit vaterländiſchem Mut und Eifer entgegengearbeitet; und die beſten Schriftſteller der Folgezeit beſtreben ſich das von ihr auf⸗
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