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geſtellte Ziel zu erreichen. Manches Wort, das heute allgemein gebraucht iſt, wie Schriftſteller, Zeitwort, Eigenſchaftswort, Gegenſtand u. a., rührt von ihr her. Noch eifriger war die 1643 geſtiftete ‚deutſchgeſinnte Genoſſenſchaft“; an der Spitze ſtand Philipp v. Zeſen, der aber, weil ihm Sprachkenntniſſe und Geſchmack in gleichem Maße fehlten, wenig Erſprießliches ſchaffen konnte. Gleichwohl hat auch von ihm ſich manches behauptet, wie z. B. Vollmacht für Pleni⸗ potenz, Vertrag für Contrakt, letzter Wille für Teſtament. Auch Friedrich v. Loganu(1604— 1655) trat wacker gegen die Verwälſchung auf. Mit bitterem Spotte ſagt er einmal, wir müßten unſeren Vätern recht gram ſein, daß ſie nur deutſch geſprochen:„Wer nicht franzöſiſch kann, iſt kein gerühmter Mann; drum müſſen wir verdammen, von denen wir entſtammen, bei denen Herz und Mund alleine deutſch gekunt.“*) Sehr eindringlich erhob am Ende desſelben Jahrhunderts ſeine Stimme G. W. Leibniz(1646— 1716) in der gegen Ende des Jahres 1697 verfaßten Schrift:„Unvorgreifliche Gedanken betr. Ausübung und Verbeſſerung der deutſchen Sprache.“**) Er ſpricht ſeine Befürchtung dahin aus, es möchte, wenn dieſe Vermiſchung fortginge, die deutſche Sprache in Deutſchland ebenſo untergehen, wie das Angelſächſiſche in England. Er wünſcht na⸗ mentlich die Dichtkunſt und„Schreibarten, ſo der Poeſie am nächſteu, als: Romane, Lobſchriften und öffentliche Reden, auch die überſetzungen aller ſolcher Werke aus fremden Sprachen, und Summa: wo man nicht weniger auf Annehmlichkeit als Nothdurft und Nutzbarkeit ſiehet“, mög⸗ lichſt frei von Fremdwörtern. Die wiſſenſchaftliche Sprache giebt er alſo noch preis. Und in der That leiſtet er ſelber hierin an Sprachmengerei nicht wenig, wie das folgender Satz aus einem Briefe an den Herzog Johann Friedr. v. Hannover(a. a. O. 1, S. 282) zeigen mag.„In theologia naturali kann ich ex natura motus, in physicis a me detecta, demonstriren, daß motus in coxrporibus per se sumptis nicht ſein könne, nisi accedat mens; daß eine ratio ultima rerum seu harmonia universalis, id est Deus, ſein müſſe: daß ſolche keine Urſache der Sünden, und dennoch peccata poenis semet punientia et compensantia der Harmoniae universali gemäß ſein, ſowohl als die Schattirungen und wieder eingebrachte Verſtimmungen, jene das Bild, dieſe den Ton lieblicher machen.“ Chriſtian Wolff(1679— 1754), der Leibnizens Philoſophie in ein Syſtem brachte, hat das Verdienſt, die Philoſophie deutſch reden gelehrt zu haben: ſeine Schriften ſind von großem Einfluß auf die deutſche Sprachbildung geweſen.— Im 18. Jahrhundert lenkt Gottſched (1700— 1766), ein warmer Patriot, zuerſt die Aufmerkſamkeit auf Leibnizens Schrift; er ſelbſt iſt eifrig in dieſer Richtung thätig, ſeine Bücher benennt er möglichſt deutſch, ſo die deutſche Gram⸗ matik= Sprachkunſt, ein philoſophiſches Lehrbuch= Weltweisheit(er iſt Wolffianer), eine Rhe⸗ torik= Redekunſt, eine Poetik= kritiſche Dichtkunſt u. a. Alles dieſes iſt um ſo höher anzu⸗ rechnen, als gerade damals wieder alle Welt für das Franzöſiſche ſchwärmte, und er ſelbſt im übrigen die franzöſiſche Litteratur als muſterhaft verehrte und nachahmte.***) Daß auch Klopſtock (1724— 1803), der glühende Vaterlandsfreund, der höchſtens aus der nordiſchen Mythologie entlehnt, ſonſt aber der Fremdwörter ſich enthält, die Reinheit und Würde der Mutterſprache verfocht, iſt eigentlich ſelbſtverſtändlich. Ich erinnere z. B. an die Oden:„Unſere Sprache“,„Teutone“,„die deutſche Sprache“,„die deutſche Bibel.“ In der Gelehrtenrepublik ſagt er:„Wenn ein Freier
*) Siehe die Ausgabe von Eitner(litterar. Verein), Stuttgart, 1872, S. 344. **) L.“s deutſche Schriften, hrsg. v. Guhrauer, Bd. 1. Berlin 1838. *n) Die Verdienſte des vielgeſchmähten Mannes würdigt eingehend W. Scherer in ſeiner Litteraturgeſchichte, Berlin 1883, S. 397 ff.


