Aufsatz 
Für und wider die Fremdwörter
Entstehung
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im Staatsweſen. Nach dem Muſter Ludwigs XIV. wurde dieDiplomatie eingerichtet mit Legations⸗Sekretären undAttachés, vomCabinets⸗Conſeil wurden durch eine geſchulte Bureaukratie die einzelnenDepartements derAdminiſtrationorganiſiert; und als die neue Zeit kam mit ihren Verfaſſungen oder beſſerConſtitutionen, da wurde wieder auf gut franzöſiſch in denParlamenten überCivilliſten undApanagendebattiert,

Amendements wurdenacceptiert,Adreſſen wurdenvotiert und durchDepu⸗

tationenpräſentiert,officiell undofficiös wurdedementiert, was vorher insPu⸗

blikumlanciert war. Natürlich konnte der immer mehr aufblühende Handel in dieſer

Hinſicht nicht zurückbleiben.En gros unden detail wurden von denNegocianten

Fremdwörterimportiert.Offerten werden jetztacceptiert oderrefüſiert, es wird

debitiert undcreditiert, gütigeOrdres werdenprompt effektuiert,Commis werden

engagiert und gut oder ſchlechtſalariert, neueinduſtrielle Etabliſſements ſuchen gute

Referenzen, an der Börſe wirdà la hause undà la baisseſpeculiert, und ſchießlich

wirdfalliert oderliquidiert, vielleicht auchaccordiert. Auch in den verſchiedenen

Künſten machte ſich der franzöſiſche Einfluß außerordentlich geltend. In der Malerei,

der Baukunſt, der Kupferſtecherkunſt wimmelt es von franzöſiſchen Bezeichnungen,

ſelbſt die Buchdruckerkunſt, dieſe echt deutſche Erfindung, hat faſt alle Kunſtausdrücke, wie Lettern, Patrize, Matrize, Imperial, Nonpareil aus dem Franzöſiſchen entnommen.

Dasſelbe gilt von dem Bühnenweſen, wo wir auf Schritt und Tritt franzöſiſchen Aus⸗

drücken begegnen, vomParquet undParterre an über dieFoyers bis auf die oberſte

Gallerie, vomSouffleur bis zumRegiſſeur, von derOuvertüre bis zum letzten

Fallen derGardine.

Alle dieſe Wörter haben wir mit liebevoller Sorgfalt bis heute behalten und ihnen noch eine beträchtliche Zahl hinzugefügt. Unſere Zeitungen mit ihren zahlloſen, allen ausländiſchen Blättern entnommenen Wörtern, mit ihren Berichterſtattern im Auslande, die zum Ueberſetzen dort gebräuchlicher Wörter zu träge ſind oder keine Zeit haben, oft genug auch nicht die nötige Kenntnis beider Sprachen beſitzen; ferner die zahlreichen überſetzungen franzöſiſcher Schriften, die vielfach für Geld und auf Beſtellung angefertigt werden, ſorgen dafür, daß die Zahl der Fremdwörter bei uns eher wächſt als abnimmt.

Auch bei den Italienern haben wir Anleihen gemacht und, wie zu erwarten, nicht immer notwendige. Aber viele Wörter, die ſich auf die Kunſt(Muſik und Malerei) beziehen und auf den Handel, haben ihre Herübernahme dem Umſtande zu verdanken, daß wir auf dieſen Gebieten wirklich zu lernen hatten.

Engliſche Wörter gehören nach Dunger(S. 12) meiſt erſt der Neuzeit an, ſeitdem wir uns der engliſchen Sprache mehr zuwenden und den Engländern in Politik und Leben mancherlei entlehnen. Dunger zählt ihrer bereits 148, ohne ſeine Sammlung als vollſtändig zu bezeichnen.

Noch aus mancher anderen Sprache iſt mit der fremden Sache auch der fremde Namen gekommen. Ich erinnere beiſpielsweiſe an Kaffee(arabiſch), Kork(ſpaniſch), Tabak(indianiſch)

Huſar(ungariſch) u. a. V.

Wir kommen zu der Frage: Welche Fremdwörter können wir entbehren und welche müſſen wir dulden? Denn es wird keinem Volke, das ſich an dem geiſtigen Leben