Aufsatz 
Über die Behandlung der geometrischen Grundbegriffe / Kutsch
Entstehung
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Inbegriff mehrerer neben einander geordneter Wärmetheilchen, Lichttheilchen, Töne ꝛc., welcher ſich mit der erhöhten Temperatur, Helligkeit, Tonſtärke, Tonhöhe ꝛc. identificirte. Und möge immerhin entweder ein förmlicher Nachweis oder mindeſtens eine irgendwie begründete Hypotheſe ſich darüber aufſtellen laſſen, daß eine ſolche Erſcheinung die Folge von Schwingungen körper⸗ licher Elemente ſei, wobei entweder die vermehrte Anzahl der ſchwingenden Körpertheilchen oder die vermehrte Anzahl der Schwingungen ſelbſt für eine und dieſelbe Zeit den verſchiedenen Grad jener Eigenſchaft oder Erſcheinung hervorbringe: ſo hat doch eine ſolche Thätigkeit des Verſtandes mit der Vorſtellung von jenen Erſcheinungen, welche durch unmittelbare Einwir⸗ kung auf unſere Sinne erzeugt wird, nichts zu thun. Jene Theorie nänlich oder eine mittelſt derſelben aufzuſtellende Definition kann uns wohl die Gründe der Erſcheinungen näher rücken, eine Vorſtellung ſelbſt aber erzeugt ſie nimmermehr. Wer nicht einen warmen Körper gefühlt, einen hellen Gegenſtand geſehen, einen ſtarken oder hohen Ton gehört hätte, der würde, geſetzt auch, es ſtänden ihm alle ſonſt möglichen mathematiſchen und phyſikaliſchen Kenntniſſe zu Ge⸗ bote, von den ſinnlichen Eindrücken, welche jene Erſcheinungen in uns hervorrufen, keine Ahnung haben. Durch Auwendung der Thätigkeit des Verſtandes können wir wohl Raum und Zeit, welche in Beziehung zu den jene Erſcheinungen hervorbringenden Urſachen ſtehen, meſſen, die Erſcheinungen(Eigenſchaften) ſelbſt aber nicht. Letztere ſind daher auch nicht als Größen anzuſehen.

Einer Meſſung fähig und deshalb zweifellos eine Größe iſt allerdings die Kraft; doch läuft auch dieſe Meſſung auf die Meſſung von Raum und Zeit hinaus. Denn vor⸗ ausgeſetzt, daß je zwei von den drei die Wirkung einer Kraft beſtimmenden Elementen Raum, Zeit und Stoffmaſſe für den zur Vergleichung zweier Kräfte vorliegenden Fall conſtant gedacht werden: ſo wird, um die Größe einer Kraft zu beurtheilen, entweder unmittelbar der von einem beſeimmten Körper in einer beſtimmten Zeit durchlaufene Raum, oder die von jenem zur Durchlaufung eines beſtimmten Raumes verwendete Zeit gemeſſen, oder es wird die Maſſe des Stoffes, welche in einer beſtimmten Zeit einen beſtimmten Raum durchläuft, ermittelt. Für dieſen dritten Fall aber iſt in Erinnerung zu bringen, daß die Größe der Stoff⸗ maſſe inſofern lediglich durch die Größe des von dem phyſiſchen Koͤrper eingenommenen Raumes beſtimmt wird, als auch ſelbſt da, wo verſchieden große Stoffmaſſen ſcheinbar gleich großen Raum einnehmen, dieſes Verhältniß unſerer Vorſtellung nicht anders zugänglich iſt, als daß wir Theile des ſcheinbar erfüllten Raumes(ſog.»Porena) als in Wirklichkeit nicht völlig von dem Stoffe eingenommen anſehen.*) Diejenige Kraft nun ſieht man als die größere an,

*) Es bedarf wohl kaum der Bemerkung, daß hier ein praktiſches, unmittelbares Ausmeſſen der Poren ꝛc. nicht gemeint ſei. Mag die Praxis Mittel und Wege einſchlagen, welche ſie wolle, um aus ihren Ermittelungen(hier z. B. durch Wägung) Schlüſſe zu ziehen auf das Verhältniß von Raumerfüllung und Poren: hier handelt es ſich lediglich um das für unſere Vorſtel⸗ lung zu gewinnende Reſultat.