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Ein Vorgang alſo, eine Erſcheinung, irgend eine Veränderung äußerlich wahrnehmbarer Zuſtände iſt es, was uns auf die Vorſtellung von der Zeit führt. Betrifft dieſe Veränderung insbeſondere das Verhältniß der Materie, das heißt hier eines beſtimmten phyſiſchen Körpers, zum Raume, ſo heißt ſie Bewegung. Dieſer neu erzeugte, abgeleitete, nicht mehr einer Grundanſchauung angehörige Begriff iſt es, welcher ein Verbindungsglied gewiſſermaßen zwiſchen Raum, Zeit und Stoff bildet. Wird bei der Bewegung von den phyſiſchen Eigenſchaften des (bewegten) Stoffes abſtrahirt, ſo erhält man die Bewegung eines bloßen Raumgebildes im Raume.— Um von dieſer letztgedachten Abſtraction hier nicht weiter zu reden,— ſo werden wir für jede wirkliche Bewegung irgend eines concreten phyſiſchen Körpers im Raume eine Urſache zu denken haben, welche weder in dem Weſen des Raumes als ſolchen noch in den Eigenſchaften der Materie allein begründet iſt, demgemäß einer von jenen Begriffen unabhän⸗ gigen Grundvorſtellung angehört:— dies urſächlich Wirkende nennen wir die Kraft. Sie erſcheint uns groß oder klein, je nachdem die hervorgebrachte Wirkung entweder hinſichtlich der Gröͤße des während einer beſtimmten Zeit durchlaufenen Raumes oder hinſichtlich der Maſſe des bewegten Stoffes groß oder klein iſt. Auch die Kraft alſo iſt eine Größen⸗Art.—
Verſuchen wir eine Unterſuchung über die Anzahl der verſchiedenen Größen⸗Arten.— Iſt es weſentliches Merkmal der Größe, daß das Große aus dem Kleinen entſtehe durch Vergrößerung oder Hinzufügung, der Art, daß man in dem Groͤßeren die es zuſammenſetzenden Theile erken⸗ ne— was uns in den Stand ſetzt, eine Vergleichung verſchiedener Größen— eine„Meſſung“— vorzunehmen—: ſo werden wir einräumen müſſen, daß außer dem Raume und der Zeit für unſere Wahrnehmung nichts*) exiſtirt, was durch Aneinanderfügung gleichartiger Beſtand⸗ theile ſich vergrößere. Denken wir an irgend eine Eigenſchaft oder Erſcheinung, welche einer ſ. g. Steigerung fähig iſt, wie z. B. Temperatur, Helligkeit, Tonſtärke, Tonhöhe ꝛc.: ſo ergibt ſich für unſere Vorſtellung von verſchiedenen Graden einer ſolchen Eigenſchaft nicht z. B. ein
ſonſtwie nach irgend einem einfachen, leicht zu abſtrahirenden Geſetze gebildeten Zeitabſchnitten (Zeittheilchen) vorgehende und vernehmbare Erſcheinung, z. B. den Pendelſchlag einer Uhr, ein- wirken ließe. Die Analogie dieſer Abſtraction der Vorſtellung von der Zeit aus dem ſie Er— füllenden(den Vorgängen) mit derjenigen der Vorſtellung vom Raume beſtände darin, daß das den letzteren Erfüllende(die Materie) vorzugsweiſe durch den Sinn des Geſichtes wahrgenommen wird, deſſen Stelle für die zeitlichen Erſcheinungen theilweiſe wenigſtens das Gehör vertritt.—
*) Betreffs der Zahl, welche hiervon eine Ausnahme zu machen ſcheint, als Größen-Art in dem bisher gebrauchten Sinne des Wortes aber noch nicht aufgeführt iſt, ſ. unten!— 2


