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etwas verſteckter, in der zweiten oben aufgeſtellten Definition Statt, indem die Wendung»da wo« ſowie ſelbſt auch der Ausdruck»hinwegnehmen«(hier offenbar im Sinne räumlicher Be⸗ wegung außzufaſſen) die Vorſtellung vom Raume ſchon zu ihrer eignen Grundlage haben.—
Als eben ſo verfehlt müßte natürlich der Verſuch einer Definition der»Materie« zu gelten haben, der ſie— den Begriff des Raumes als den einfacheren vorausgeſetzt— als dasjenige bezeichnen wollte, vwas den Raum erfülle«. Trügen wir nämlich die Vorſtellung von der Materie, die wir lediglich durch die Einwirkung der letzteren auf unſere Sinne erlangen, nicht ſchon als auf dieſe Weiſe erlangt in uns:— wir würden ſie wahrlich nicht aus jenen Worten, welche die Definition bilden, ſchöpfen. Wollte gleichwohl Jemand von dem Unzureichenden jener Definition ſich nicht überzeugt halten, ſo brauchte man demſelben gegenüber nur dieſelbe Wortform zur weiteren Bildung einer neuen DOefinition zu benutzen, welche das zu definirende Ding zu der Materie in dieſelbe Beziehung brächte, in welcher die Materie zum Raume ſteht,— der neue Begriff würde hiernach»das die Materie Erfüllende« ſein: ein Unding für unſere Vorſtellung,— zum deutlichen Beweiſe alſo dafür, daß jene nackte Definitionsform eine Vor⸗ ſtellung, welche nicht ſchon in uns vorhanden, zu erwecken nicht fähig iſt.— Wir wenden ſomit bei der Erweckung einer Vorſtellung vom Raume eine das Ergebniß einer ſinnlichen Anſchau⸗ ung analyſirende Thätigkeit an, welche von der auf vorhandenen Fundamenten rein aufbauenden Thätigkeit des Verſtandes wohl zu unterſcheiden iſt.—
Eben ſo wie mit dem Raume verhält es ſich mit der Zeit. Beides ſind von einander unabhängige, coordinirte Begriffe, deren einer ſich durchaus nicht aus dem andern herleiten läßt. Auch die Vorſtellung von der Zeit erlangen wir durch eine Abſtraction, und zwar durch die Abſtraction von den Vorgängen in ihr. Ein Vorgang, ein Proceß, eine Thätig⸗ keit, eine Handlung oder was für einen Ausdruck wir für den hierdurch gemeinſam zu bezeich⸗ nenden Begriff wählen wollen, iſt das die Zeit Erfüllende, gleichwie die Materie den Raum erfüllt. Daß aber auch hier mit einer vermeintlichen Definition nichts ausgerichtet werden würde, fänden wir nicht den Begriff der Zeit als eine Grundvorſtellung bereits in unſerer Seele vor, leuchtet wie beim Raume ein.*)—
*) Um behufs Erweckung der Vorſtellung von der Zeit mit der Sinnenwelt anzuknüpfen, würde man ſich— ohne daß hierdurch die Möglichkeit der Anwendung anderer Mittel in Abrede geſtellt werden ſoll— am füglichſten wohl des Gehörſinnes bedienen, auf welchen man eine in gleichen oder


