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eben die Analyſe, während die Errichtung des auf den neu gewonnenen Grund zu ſtellenden Gebäudes(Syſtem's) den Charakter der ſtrengen Syntheſe tragen ſoll.—
Faſſen wir das Wort„Größe“ zuerſt in einem abſtrakten Sinne, ſo bedeutet es die Eigenſchaft eines Dinges, groß oder klein, d. h. in Vergleich mit andern Dingen von ſeines Gleichen größer oder kleiner zu ſein. Auf die Frage aber, was unter„groß,“ was unter „klein“ ſelbſt zu verſtehen ſei, läßt ſich, falls eine Zurückführung dieſer Begriffe auf einfachere verlangt würde, geradezu nichts antworten; höchſtens kann man ein beſtimmtes Ding, z. B. einen Stein, ein Stück Papier ꝛc. vorführen, oder etwa das Gewicht irgend eines phyſiſchen Körpers durch das Gefühl wahrnehmbar machen u. dgl. m., um aus der Vergleichung deſſelben mit einem ebenfalls ſinnlich vorgeführten gleichartigen Dinge den Begriff der verſchiedenen Größe abſtrahiren zu laſſen. Im Grunde genommen jedoch würde— geſetzt, es wäre dieſer Begriff eben nicht ſchon von Haus aus in der Seele des Andern geborgen— Niemand dem Andern denſelben beibringen, ſo wenig als ein Sehender einem(von Geburt an) Blinden durch Worte eine Vorſtellung der Farben, ein Hörender einem Tauben durch Beſchreibung eine Vor⸗ ſtellung von der Höhe und Tiefe der Töne jemals entlocken wird.—
Mit der Vorſtellung des Gegenſatzes von Groß und Klein hat man aber ſofort auch die von der Art der Erzeugung des Größeren aus dem Kleineren und umgekehrt,— nänlich das, was man durch die Ausdrücke: A um B„vergrößern“ oder: B zu A„hinzufügen“ einerſeits, andererſeits durch: Aum B„verkleinern, vermindern, verringern«“ oder B von A„hinwegnehmen“ ꝛc. ꝛc.(die der Arithmetik angehörigen Ausdrücke„addiren“ und„ſubtrahiren“ mögen hier einſtweilen vermieden werden) bezeichnet.— Zwiſchen den Be⸗ griffen des Großen und Kleinen einerſeits, denen des Vergrößerns und Verkleinerns andererſeits aber beſteht eine ſolche Wechſelbeziehung, daß man allerdings eben ſo gut den letzteren(unge⸗ achtet der ſprachlichen Ableitung der betreffenden Ausdrücke aus den Wörtern„groß,“„klein“) voranſtellen und dann ſcheinbar eine Definition von Groß und Klein ſelbſt damit begründen könnte, daß man ſagte: mit der Bezeichnung„groß“ werde dasjenige Ding belegt, welches aus dem andern durch Vergrößerung,— oder mit„klein“ dasjenige, welches aus dem andern durch Verkleinerung entſtehe. Doch offenbar wird mit dieſer Unterordnung einander nebengeordneter Begriffe nichts gewonnen.
Im concreten Sinne aber bezeichnet man mit dem Worte„Größe“(„eine Größe, Größen“) jenes Große oder Kleine ſelbſt, welchem die Eigenſchaft, Größe(im abſtrakten Sinne des Wortes) zu beſitzen, zukommt.—
Daß zwei Dinge in ihrer Größe übereinſtimmen können, verſteht ſich von ſelbſt: in dieſem Falle werden ſie einander„gleich⸗ genannt. Hieraus ergibt ſich, daß, ſobald man von


