Aufsatz 
Über die Abhängigkeit der magnetischen Hysteresis : der Magnetisierbarkeit und des elektrischen Leitungsvermögens des Eisens und des Nickels von der Temperatur / von Wilhelm Kunz
Entstehung
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schieden ist von dem Werte, den sie hatte, ehe der Körper in das Feld gebracht worden war. Die Ursache dieser Aenderung, durch welche die Magnetisierung des Körpers auch in einem vorher gleichförmigen Feld eine ungleichförmige wird, ist der besonders an den Enden des Körpers auftretende freie Magnetismus.

Man müßte daher, um den Einfluß der Enden auszuschließen, das zu untersuchende Material endlos machen, ihm also die Form von Ringen verleihen.

Doch gibt es noch eine andere Form, bei welcher von dem störenden Einfluß der Enden abgesehen werden kann, nämlich die langer Ellipsoide, wie dies MAxwEr.) nachgewiesen hat.

Wird ein langgestrecktes Rotationsellipsoid mit seiner Längsachse parallel zu den Kraft- linien in ein homogenes Feld gebracht, dann entsteht in ihm eine gleichförmige Magnetisierung; doch ist die magnetisierende Kraft im Innern und in der Nähe, je nach dem Achsenverhältnis des Ellipsoides, mehr oder weniger verschieden von dem Werte, den sie vorher an dieser Stelle hatte.

Ist Hi der ursprüngliche Wert der magnetisierenden Kraft, H die infolge des Einflusses des Ellipsoides wirklich vorhandene, dann ist

H= HI NI ²),

wo N ein vom Achsenverhältnis 2 abhängiger Wert ist. Da die Herstellung solch langgestreckter

Ellipsoide mit großen Schwierigkeiten verbunden ist, können dieselben durch im Verbältnis zu ihrem Durchmesser sehr lange Drähte ersetzt werden. Man erhält auf diese Weise in einem homogenen Feld gleichförmige Magnetisierung der Drähte und kann durch geeignete Wahl des Durchmessers und der Länge derselben den störenden Einfluß auf das Feld derart verringern, daß er außer Acht bleiben kann. 1 1

Die von mir benutzten Drähte hatten bei 0,1 cm Durchmesser 40 cm Länge; das Ver- hältnis beider Dimensionen ist sonach 1: 400. Für dieses Achsenverhältnis beträgt der Wert N nach EwING 0,00045, und demnach ist

H= HI 0,00045 J.

Der höchste bei meinen Versuchen für J erhaltene Wert betrug ca. 1200; dieser Intensität der Magnetisierung, welche durch eine Feldstärke H.= 76 erzeugt worden war, würde sonach eine entmagnetisierende Kraft von 0,5 entsprechen, welche ohne Fehler vernachlässigt werden kann. In den meisten Fällen betrug die entmagnetisierende Kraft höchstens 0,1% der Feldstärke.

4. Beobachtungsmethode für die magnetischen Eigenschaften.

Zur Untersuchung der magnetischen Eigenschaften magnetischer Metalle sind hauptsächlich zwei Methoden in Gebrauch, die ballistische und die magnetometrische. Bei der ersteren ist das Metall mit einer Induktionsspule umwunden, und Aenderungen seines Magnetismus werden durch Messung der hierdurch entstehenden Induktionsströme ermittelt. Die ballistische Methode hat den Vorzug, für jede Form der zu untersuchenden Metalle anwendbar zu sein. Bei der magnetometrischen Methode wird der Magnetismus der magnetisierten Körper durch die Ab- lenkungen bestimmt, welche sie am Magnet eines Magnetometers hervorbringen. Diese Methode ist nicht anwendbar für ringförmige Metallstücke, eignet sich dagegen wohl für Drähte, Stäbe und Ellipsoide.

Ich wählte wegen der besonderen Art der Erwärmung und der Temperaturbeobachtung die magnetometrische Methode und zwar die»Einpolmethode« ³), die für lange Drähte be- sonders zweckmäßig ist. Die Magnetisierungsspule wird senkrecht in die Ost-Westrichtung vom Magnetometer aufgestellt, der Eisendraht eingebracht und magnetisiert; sein oberer Pol soll in gleicher Höhe mit dem Magnet des Magnetometers liegen.

¹) El. und Magn., Bd. II,§ 437 38. ²) Ewixe, Magn. Ind., p. 32. 1892. ³) Electrician, XXIV. Febr. 1890. 4