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den Bund der ſtaufiſchen Zeit und den von 1291. Im nächſten Frühjahr beſtätigte Ludwig der Baier den Schweizern ihre alten Freiheiten und Rechte. aiim.9918— Entſtehung, Entwicklung und Ausbau der Sage.. Die erſte geſchichtliche Aufzeichnung der Freiheitsbeſtrebungen der Waldſtätte geſchah erſt um 1420 in der Berner Chronik von Juſtinger. Hier iſt noch die richtige Auffaſſung des Urſprungs der Eidgenoſſenſchaft feſtgehalten, die aber ſchon bald einer andern weichen mußte. Denn ſechs Menſchenalter waren ſeit jenen erſten Kämpfen einander gefolgt. Wie mußte da ſich Manches in der Erinnerung des Volkes vermiſcht haben, und wie leicht konnte die ruhige aber harte Zeit Albrechts mit den ſpäteren kriegeriſchen Zeiten der Habsburger zuſammenfließen! aun 1 ichi in Das weiße Buch von Obwalden 1470, welches die Geſchichte der Eidgenoſſenſchaft von ihrer Entſtehung an darſtellt, gibt dieſelbe ſo wie der Volksmund ſie bewahrt hat. Hatte Juſtinger von Bedrückungen und Ungerechtigkeiten der Herrſchaftsbeamten im Allgemeinen geredet, ſo weiß der Obwaldner Landſchreiber beſtimmte Geſchichten dieſer Art mitzutheilen, ſo wie der Landmann ſich dieſelbe gedacht hat. Was von Sage dem Volke im Gedächtniß iſt, das wird mit hineingezogen und an beſtimmte Perſonen und beſtimmte Oertlichkeit geknüpft. Geſchichten, welche dem Landmann geläufig ſind und gerne von ihm fort erzählt werden, ſind ſolche, wo ein Mann den Verfolger ſeiner Gattin niederſchlägt, wo der Landmann dem Räuber ſeines ſtattlichen Viehes die Finger zerſchlägt, wo Fin kluges Weib den Mann anſpornt, den prächtigen Beſitz mit den überkommenen Freiheiten zu wahren. Nun hatte der Züricher Chorherr Hemmerlin, welcher einige Jahrzehnte nach Juſtinger ſchrieb, eine Erzählung von der gerächten Verfolgung eines ſchweizeriſchen Mädchens mitgetheilt, die er an den zerſtörten Thurm im Inſelchen des Lowerzerſee's anknüpft. Im weißen Buche werden ſchon eine Menge ſolcher feſten Burgen genannt, deren Reſte die Aufmerkſamkeit des Volkes feſſeln mußten. Die Verführung des Mädchens, hier zum Attentat auf die Ehefrau geworden, wird nach Altſellen in Unterwalden verlegt; das Rütli wird als Sammelplatz der ſich allmählich mehrenden Verſchworenen bezeichnet; der Ort, wo der Knecht die Ochſen vom Pfluge ſpannt, iſt die ſchöne weiträumige Gegend des Melchi, ſüdöſtlich von Sarnen(woraus Etterlin ſpäter einen Mann ans Melchthal machte, während doch in dieſem Hochgebirgsthale von Ochſenwirthſchaft keine Rede ſein konnte); und das ſchöne Steinhaus, welches die Habgier des Vogtes reizte, wird nach Steinen in Schwyz gelegt. Eigenthümliche Irrthümer ſchleichen ſich ein: der Berghügel Landenberg oberhalb Sarnen wird als Sitz des dort hauſenden Vogtes genannt, und als Träger eines unmöglichen Amtes wird Geßlernals Vogt von Schwyz und Uri erwähnt. Es wird noch bedenklicher; den ſtolzen Bewohnern der Waldſtätte ſchien es nicht recht, daß ſie mit den Bewohnern der flacheren Gegenden gemeinſamen Urſprung hätten; ſie däuchten ſich mehr und ſo nennen ſie ſich bald gothiſche, bald ſchwediſche und frieſiſche Abkömmlinge, ja die Unterwaldner wollen von Rom abſtammen. n Da die 3 Waldſtätte ſich ihrer Zuſammengehörigkeit bewußt waren und Schwyz und Unter⸗ drhorſährs Männer hatten, die an der Befreiung Theil genommen, ſo fehlte nur noch für Uri er ⸗Heldd. wm nint 13 9 1 2 4— 1 Den Bewohner Uriss treibt die Beſchaffenheit ſeines rauhen Hochgebirges auf ein Leben voll kühnen Wagniſſes. Hier iſt die Gegend des rechten Alpenjägers, hier konnte alſo auch die Geſchichte vom ſichern Treffer, jene alt⸗germaniſche Tellſage am beſten Eingang finden.*) Was war natür⸗ licher als unter jenem Tyrannen, der das Vaterherz des Schützen auf die Probe ſtellte, einen grau⸗ ſamen Vogt zu verſtehen, den der Schütze nachtraͤglich tödtet, wodurch er an der gemeinſamen Be⸗ freiung Theil nimmt? Man ſetzte daher den Caſtellan vom Schloſſe im Schwyzerland, den nach Hemmerlin die Schwyzer erſchlugen, zum Vogte über Schwyz und Uri, und ſo gelang es einem Urner, den gemeinſamen Feind zu beſiegen. Ein Luzerner Sänger verherrlicht bald die Tellſage
») Das Märchen vom Tell findet ſich auch in der uralten däniſchen Geſchichte. Tell, altdeutſch Tallo, Tell heißt geſchmückt, gerüſtet und iſt Beiname des Sonnengottes. Als Schütze erſcheint der Veſch Te bei allen deüleeen, Salis unſer Strahl heißn feil. id Sdutdnagsdes didden Feiyers deutet daher auf die Beſiegung
inters, ſo daß der Sonnengott hier eigentlich der Frühlingsgott iſt, das ſchönſte Sinnbild ei ihei und ſein nari uche Recht wiedererkämpfenden Volkes..—— abild eines ſeine Freiheit
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