Aufsatz 
Schillers Wilhelm Tell, erläutert und gewürdigt für die Schule
Entstehung
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leuchtendes Beiſpiel, der immer mit Rath und That ihnen zur Seite ſtand, der bei Favenz ihnen das Banner vortrug in die blutige Schlacht, und am Feierabende, traulich am häuslichen Heerde ſitzend, mit ihnen redete von ihren und des Landes Geſchäften. Liebe zum Vaterlande, Liebe zum Volke und Liebe zu ſeinen Angehörigen, das ſind die drei Sterne, die ſeinem Leben vorleuchteten bis zur letzten Stunde. Wie ſehr liebte er ſeinen Erben Rudenz, den von eitlem Glanz Verblen⸗ deten, wie mühte er ſich, ihn auf die rechte Bahn der wahren Ehre, der Vaterlandsliebe zurückzu⸗ führen und vor dem falſchen Götzenbilde des vaterlandsloſen Ehrgeizes zu warnen. Da mit ihm die alte Zeit zu Grabe ging, ſo hat der Dichter in ihm das Alt⸗Ehrwürdige patriarchaliſcher Zeiten wie mit der goldenen Glorie einer untergehenden Sonne verklären wollen.

RNadenz.

Dieſer kecke, ehrgeizige Jüngling, der Neffe Attinghauſen's und ſein künftiger Erbe, ſoll die andere Partei des ſchweizeriſchen Adels, welche mit Oeſterreich liebäugelte, repräſentiren und ſo einen Gegenſatz zu Attinghauſen, dem auf vaterländiſchem Boden ſtehenden Edelmanne bilden. In prächtigem Pupurmantel, mit der Pfauenfeder, dem Helmzeichen der Herzoge von Oeſterreich ge⸗ ſchmückt, tritt er auf,den Landmann verachtend und ſeiner traulichen Begrüßung ſich ſchämend. Stolz und Ehrgeiz, und der fremden Ritter Spott, treiben ihn hinweg aus dem ruhigen Genuſſe vaterländiſcher Freiheit auf dem Erbe ſeines Oheims, an den Hof Geßler's, unter die Fahnen Habsburgs. Aber vor Allem iſt es die Liebe zu Bertha von Bruneck, die ihn dort feſſelt. Und dieſe Liebe, welche den unerfahrenen Jüngling zum Abtrünnigen an ſeiner nächſten Pflicht, der Liebe zum Vaterlande, macht, ſie übt wiederum ihre reinigende Kraft an dem verirrten Jünglinge, in der Perſon der Bertha ſelbſt, aus, die ihm die Binde von den Augen reißt und ihn klar ſeine Stellung zu ſeinem Volke erkennen läßt. Von dieſem Augenblicke an iſt er verwandelt in einen Vorkämpfer der vaterländiſchen Sache. Kühn tritt er dem Vogt entgegen, als Tell zum Schuß gezwungen wird. Nach Bertha's Raub unternimmt er mit Melchthal die Erſtürmung des Sarner Schloſſes und trägt ſo weſentlich zur Befreiung des Landes bei, und, nachdem die Ketten der Fremdherrſchaft zerriſſen, iſt er der erſte, welcher die Leibeigenſchaft abſchafft.

Röſſelmann.

Es iſt der Pfarrherr aus Uri, aber keiner von jenen Prieſtern, die öſterreichiſch geſinnt waren, wie uns die Chronik von manchen Geiſtlichen jener Zeit berichtet. Er hält treu zu ſeinem Volke, für deſſen Rechte er mannhaft eintritt und deſſen Wortführer er auf dem Rütli iſt. Er hat Land vom Frauenmünſter von Zürich zu Lehen; aber dieſe private Pflicht ſteht unter der höhern Pflicht, welche das Vaterland ihm auferlegt; ebenſo wie Meier ruhig fortfährt, an Oeſterreich Zins zu leiſten, obwohl er mit dem Schwerte ſeine Freiheit gegen Oeſterreich zu vertheidigen ſich gezwungen ſieht. Ein klares, beſonnenes Weſen geht aus Allem, was er thut, hervor, und es iſt nichts anderes als eine bloße Prüfung der Verſchworenen, um es zur völligen Klarheit und Sicherſtellung deſſen zu bringen, was ſie Alle wollen, wenn er in der Rütli⸗Scene ſeinen Landsleuten nahe legt, daß ſie durch eine Trennung vom Reiche Oeſterreichs Freundſchaft erlangen können. Denn ſie hatten vorher nur, wie es in Volksverſammlungen geſchieht, durch allgemeine Acclamation für den Kampf ſich entſchieden, jetzt nennen ſie einzeln denjenigen einen Verräther, der von Ergebung an Oeſterreich ſpricht und ſie erheben gemeinſam dieſe Erklärung zum Geſetze, indem ſie zur Bekräftigung die rechte Hand aufheben. Nun ſagt Roöſſelmann:

Jetzt ſeid ihr frei, ihr ſeid's durch dies Geſetz, woraus aber hervorgeht, daß er ſie durch jenen vorher ſeinerſeits geäußerten Widerſpruch nur zu einer feſten Willensäußerung, zu einer ſolchen, die Geſetzeskraft hat, bringen wollte. Somit iſt es ſehr paſſend, wenn der Dichter ihn, den klaren, beſonnenen, aber feſt entſchloſſenen, ſein Vaterland reu liebenden, würdigen Hirten des Volkes auserwählt, um bei der aufſteigenden Morgenröthe den heiligen Eid des neuen Bundes Allen vorzuſprechen. Später wagte er es, dem Geßler kühn ent⸗ gegenzutreten, als er Tell zum Schuſſe nöthigt, und ihn an Gottes Richteramt zu erinnern.

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