Aufsatz 
Schillers Wilhelm Tell, erläutert und gewürdigt für die Schule
Entstehung
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Walther Fürſtt.

Dieſer Greis iſt der Freund Stauffacher's, der Schwiegervater Tell's, begütert und angeſehen im Lande. Melchthal nennt ſeinen Namen ehrwürdiger als alle andern, da er die Tugenden der Väter nicht blos ererbt, ſondern noch reich gemehrt habe. Daher ſuchen alle ſeinen Rath, und ſeine Stimme iſt von großer Entſcheidung für die Bewegung. In der Aufnahme Melchthal' zeigt er nicht blos ſein huͤlfreiches Herz für alle Bedrängten, ſondern auch ſeinen Patriotismus. Vorſicht, dieſe Eigenſchaft des Alters, tritt ganz beſonders bei ihm zu Tage, noch mehr als bei Stauffacher. Mit dieſem theilt er dieſelben Bedenken gegen eine gewaltſame Erhebung, und als dieſe nicht mehr zu vermeiden iſt, da räth er vor Allem dazu, alles Blutvergießen zu vermeiden:

Die Vögte wollen wir mit ihren Knechten Verjagen und die feſten Schlöſſer brechen, Doch wenn es ſein mag, ohne Blut.

So glaubt er, daß die Bewaffnung des Volkes und ſeine feſte Entſchloſſenheit, ſich zu verthei⸗ digen, hinreiche, den Kaiſer einzuſchüchtern und den Frieden herbeizuführen. Sein vorſichtiges Schwanken wird zur Schwäche, als ſchon die Feuer auf den Bergen lodern, zum Zeichen, daß die Zwingburgen gefallen ſind. Da will er noch erſt die Boten abwarten, anſtatt das Volk zum Sturz von Zwing⸗Uri aufzufordern. So iſt er der ſchweizeriſche Biedermann, der am Alten und Rechten treu feſthält mit allen Schwächen des Alters..

Melchthal.

Während Stauffacher als beſonnener Mann, Walther Fürſt als der vorſichtige Greis erſcheint, bildet Melchthal als der feurige Jüngling die nothwendige Ergänzung zu dieſen. Er iſt ein ein⸗ facher, ſchlichter Landmann, aber welch' tüchtiger Kern ſteckt unter dem groben Wamms, welches warme Herz für Ehre und Freiheit! Als der Knecht des Vogtes ihm die Ochſen vom Pflug ſpannen will, da jammern ihn die armen Thiere; allein er hält noch an ſich, er ſucht den aufwal⸗ lenden Zorn zu dämpfen, bis ſeine Ehre angegriffen wird durch die höhnenden Worte des Knechtes. Erſt dieſer Hohn entflammt ihn zu gerechtem Zorn und er ſchlägt den Knecht, der ihn auf's tiefſte gekränkt hat. Wie rührend kommt in ihm die Kindesliebe zum Ausdruck, als er hört, daß der grauſame Vogt ſeinen Vater geblendet hat! Welche Gluth für die Freiheit, welcher Haß gegen die Tyrannei lodert in ihm empor! Er reißt die Andern mit ſich fort, und beſchleunigt ſo einmal die Bildung des Drei⸗Männerbundes, dann des Bundes auf dem Rütli, indem er unermüdlich, unter den groͤßten Gefahren das Land durchſtreift, um die Landleute zur Erhebung aufzureizen! Mit kühnem Muthe dringt er ſelbſt in die Burg zu Sarnen und zeigt trotz aller Motive zum grßten Haſſe eine Mäßigung und Selbſtbeherrſchung, die faſt das Maß menſchlicher Kraft über⸗ ſteigt. An Melchthal, dem feurigſten und ſtürmiſchſten Jünglinge wollte der Dichter vor Allem die Mäßigung im Siege zeigen, die er dem ſich befreienden Schweizervolke, im Gegenſatze zu der franzöſiſchen Revolution, beilegte. Daher ſchwingt Melchthal ſchon das Schwert über den gefan⸗ genen Landenberger, um ihn zu tödten und mäßigt ſich in dieſem Momente noch auf die Bitten ſeines Vaters. Er iſt der Einzige im Bunde, welcher allein thatkräftig handelt, indem er mit Rudenz die Sarner Burg ſtürmt. Die Uebrigen ſind über den Entſchluß nicht hinausgekommen, da durch das Eingreifen des Rudenz und Tell's die Befreiung früher hereinbrach.

Attingbhauſen.

Im greiſen Freiherrn von Attinghauſen erkennen wir das Bild eines echten, deutſchen Edel⸗ mann's, in dem wahrer geiſtiger Adel, Weisheit, hochherzige Geſinnung, Tapferkeit, Vaterlandsliebe verbunden mit edler Menſchenliebe ſich in reinſter Weiſe offenbart. In patriarchaliſcher Einfachheit der Sitten ſehen wir ihn inmitten ſeines Hausgeſindes, das er ſeine Kinder nennt. Nach alter, ehrwürdiger Gewohnheit theilt er mit ihnen den Frühtrunk, und in jüngeren Jahren war er ſogar bei ihnen in Feld und Wald, ſie zur Arbeit ermuthigend. Wohl war der Mann ihnen ein helles,

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