Aufsatz 
Schillers Wilhelm Tell, erläutert und gewürdigt für die Schule
Entstehung
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ſinkt er zurück mit den Worten:Das iſt Tell's Geſchoß. Tell, der auf der Höhe erſcheint, be⸗ kennt ſich als den Schützen und verkündet dem Volke die Freiheit. Ohne Mitleid umſteht die Menge den gefallenen Herrn, ja Armgard zeigt ihn ihren Kindern als einen Gegenſtand des Ab⸗ ſcheus. Nur ſein mildgeſinnter Stallmeiſter ſteht ihm in dieſer letzten Noth bei, als wollte uns der Dichter zu erkennen geben, daß der ſo harte tyranniſche Vogt, den jetzt ſein Geſchick ereilt hat, auch menſchliche Seiten in ſeinem Gemüthe hätte. Ein ernſt feierlicher Chorgeſang, mahnend an das Ungewiſſe des menſchlichen Daſeins, und an die Verantwortung ſeiner Thaten vor Gottes Richter⸗ ſtuhl, angeſtimmt von den ſchwarzgekleideten barmherzigen Brüdern, die jetzt hereintreten und die Leiche an ſich nehmen, ſchließt dieſe ergreifende, dramatiſch höchſt erſchütternde Scene in wür⸗ diger Weiſe. 5. Aufzug.

Der Hauptfeind des Landes iſt gefallen, die Bewohner Uri's können wieder frei aufathmen, aber noch herrſchen die Vögte in Schwyz und Unterwalden. Wir befinden uns wieder in Altorf, im Angeſichte der noch unfertigen Veſte Zwing⸗Uri. Auf den Bergen flammen die Feuerſignale, zum Zeichen, daß die Burgen der Nachbarlande erobert ſind; das jubelnde Volk, welches der allzu bedächtige Walther Fürſt noch zurückhalten will, ſtürzt ſich in Eile auf den Bau der Veſte, um den⸗ ſelben nieder zu reißen. Da naht Melchthal mit froher Kunde. Er und Rudenz haben das Sarner Schloß in kühnem Angriff genommen und die dort verborgen gehaltene Bertha mit Lebensgefahr aus den Flammen gerettet; er ſelbſt hat den fliehenden Vogt auf der Flucht ereilt und zum blinden Vater gebracht, der ſeinem Peiniger großmüthig das Leben ſchenkte. So zeigte ſich das Volk edel im Siege, ſelbſt der junge Melchthal, der hitzigſte und ſtürmiſchſte von Allen, weiß ſich zu mäßigen und ſchändet den reinen Sieg nicht mit Blut. Und wie das Volk nun jubelnd der neu gewonnenen Freiheit ſich freut, auf den Trümmern der Veſte, die es in Knechtſchaft halten ſollte, wie die Kinder jubelnd den Hut mit der Stange heranbringen, da kommt neue Kunde, daß der Friede geſichert iſt: Stauffacher bringt die Nachricht, daß der Kaiſer von ſeinem Neffen und andern Verſchworenen erſchlagen worden iſt. So ſind ſie vor des Kaiſers Rache geſichert und lehnen das Verlangen der Königin⸗ Wittwe, welches ſie durch einen Reichsboten verkünden läßt, Rache an den Mördern zu nehmen, entſchieden ab, da ſie in der erſten Freude ihrer Errettung am wenigſten Veranlaſſung fühlen könnten, deſſen Tod zu rächen, der ihnen nie Gutes gethan habe. Auf die Aufforderung Stauffacher's brechen jetzt Alle nach Tell's Wohnung auf, um ihm, dem Stifter der Freiheit, der das Größte ge⸗ than und das Härteſte ertragen, ihre Huldigung zu bringen. In der Wohnung Tell's finden wir Hedwig mit den beiden Kindern, in ſtolzer Freude denſelben verkündend, daß der Vater das Land gerettet habe und heute wieder kommen werde. Da erſcheint in der Thüre ein ſcheu umherblickender Mönch, den ſie in der Freude Drang eben erquicken will, als er durch ſein ängſtliches, verſtörtes Weſen, und die ſeltſame Art, wie er ſie um Gaſtlichkeit beſchwört, in große Furcht ſetzt. Schon hat ſie erkannt, daß es kein Mönch iſt; da hört ſie die Stimme des ſehnlichſt erwarteten Gatten und kaum iſt ſie ihrer Glieder mächtig, ihm entgegen zu eilen. Groß iſt die Freude des Wieder⸗ ſehens; aber als ſie bei des Knaben Frage nach der Armbruſt, die Tell in frommem Danke gegen Gott an heiliger Stätte niedergelegt hat, an den Mord des Vogtes erinnert wird, läßt ſie entſetzt ſeine Hand fahren, die jener jedoch in reinem Gefühle ſeines Rechtes zum Himmel emporhebt, weil ſie die Seinen vertheidigt und das Land gerettet habe. Der Mönch, welcher ſeine Freude kund gibt, unter das Dach deſſen gekommen zu ſein, der den Landvogt erſchlug, wird von Tell mit Entſetzen als Johann von Oeſterreich, des Kaiſers Mörder, erkannt, und indem er jede Gemeinſchaft mit ihm, deſſen unnatürliche Frevelthat auch er verwirft, energiſch zurückweiſt, erfaßt ihn Mitleid über die Verzweiflung des Geächteten, und er gibt ihm den Rath, zu den Füßen des Papſtes zu flüchten, der ihn allein von ſo großer Blutſchuld reinigen könne.*) Da Parricida des Weges unkundig iſt,

*) S. Düntzer S. 101 u. ff.Mit Recht hat die Parricida⸗Scene von jeher ein gewiſſes Unbehagen hervor⸗ gerufen, da der Gegenſatz zwiſchen der That Tell's und der des unglücklichen Herzogs gar zu grell hervortritt und den grauſamen Anreizungen, durch welche Albrecht den leidenſchaftlichen Jüngling zum Aeußerſten hinriß, gar keine Rechnung getragen wird. Düntzer verwirft mit Recht die gewöhnliche Meinung, als ſei hierher der von Goethe er⸗ wähnte Einfluß der Frauen zu beziehen; der Dichter wollte eben den Gegenſatz zwiſchen beiden Thaten ganz beſonders ſcharf hervortreten laſſen.