Aufsatz 
Schillers Wilhelm Tell, erläutert und gewürdigt für die Schule
Entstehung
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Lebhaftigkeit der Erzählung, die nur eine eben überſtandene Gefahr geben kann, berichtet er den geſpannt Lauſchenden die ſtürmiſche Fahrt auf dem See, die Aufforderung Geßler's an ihn, als geübten Steuermann, zu helfen, und endlich ſeine kühne Rettung durch den Sprung auf die vor⸗ ſpringende Felsplatte am großen Axen. Dann erfragt er kurz den Weg nach Küßnacht und trägt dem Fiſcher auf, nach Bürglen zu gehen, ſein verzagendes Weib mit der frohen Nachricht ſeiner glücklichen Rettung zu tröſten.

So zieht er in finſterer Entſchloſſenheit von dannen, Unheimliches in ſeinem Herzen über⸗ legend, nachdem es ihm gelungen iſt, zum zweiten Male in wunderbarer Weiſe der Hand des Tyrannen zu entgehen.

Unterdeſſen befindet ſich Freiherr v. Attinghauſen ſterbend in ſeinem Edelhofe; um ihn her die Männer vom Rütli und der kleine Walther. Ihn aufzufinden kommt Hedwig, ſeine Mutter, her⸗ beigeeilt, die in der Freude des Wiederſehens ihrer überſtandenen Mutterangſt in lebhafteſter Weiſe Ausdruck gibt und dann in rührender Liebe ihres Gatten gedenkt, den ſie in ödem Burgverließ verſchmachtend wähnt. Jetzt regt ſich der ſterbende Freiherr, und auf ſeine Frage nach Rudenz erhält er die tröſtende Antwort, daß derſelbe mit Heldenmuth für den bedrängten Tell eingetreten iſt, und auch des Freiherrn Sorge um das bedrängte Vaterland, die ſich in ſanfter Klage ſeinem Herzen entringt, wird gehoben durch die Eröffnung der Landleute, daß ſie auf dem Rütli getagt und den Sturz der Burgen auf eigene Hand beſchloſſen haben. Da leuchtet es auf wie Verklärung in den Augen des Mannes, der ſein Land ſo warm und treu alle die Jahre hindurch geliebt hat, und das Haupt des Knaben ſegnend, auf dem der Apfel lag, ſieht er eine neue beſſere Zukunft ſich entwickeln. Und nun verkündet er weiſſagend, wie der Adel ſich mit dem Bürger verbindet und ſelbſt ein Mitglied des Bürgerthums wird, wie dann beide vereint die fremden Unterdrücker glor⸗ reich zurückweiſen, hindeutend auf die Siege bei Morgarten, Laupen und Sempach, wo Winkelried den Heldentod ſtarb. Mit der inhaltſchweren Mahnung:Seid einig, einig, einig! ſinkt er ent⸗ ſeelt zurück, dieſelbe gleichſam als ſein beſtes Vermächtniß den Seinen hinterlaſſend. Während alle tief ergriffen und ſchweigend den Todten umſtehen, tritt Rudenz herein, der ſo gerne noch ein Wort der Verzeihung von den Lippen ſeines Oheims vernommen hätte, und hinknieend ſchwört er in ſeine ſtarre Hand, daß er nun ganz ſeinem Volke zurückgegeben und von ganzer Seele ein Schweizer ſein und bleiben wolle. Seine aufrichtige Reue ſöhnt ihn mit den noch zaudernden Männern des Rütli aus, von deren Bund er weiß und mit denen er jetzt zu handeln entſchloſſen iſt. Ja, zum raſchen augenblicklichen Handeln treibt er ſie an, da es gilt, die geliebte Braut zu befreien, welche Geßler ihm freventlich weggeraubt hat. So wird die Liebe, welche den Verirrten geläutert und gebeſſert hat, nun auch die treibende Kraft, welche die Befreiung des Landes beſchleunigt. 4

Wäͤhrend das niedergeworfene Vaterland ſich allſeitig zu neuem Leben aufrafft, erblicken wir Tell mit der Armbruſt bewaffnet auf der Höhe, welche die hohle Gaſſe bei Küßnacht einſchließt. Im Selbſtgeſpräch offenbart er uns, daß er entſchloſſen iſt, den Vogt zu tödten, da er ihn zu der ungeheuren That getrieben, auf das Haupt des Kindes zu zielen. Die Pflicht, ſeine Familie zu ſchützen, ſei ihm in jenen qualvollen Augenblicken, als er auf das Kind zielen mußte, beſonders nahe getreten, und darum habe er damals ein heiliges Gelübde gethan, den Vogt zu todten, der ſein Familienglück zu zerſtören geſucht hatte. Dann ſieht er in der Ausführung dieſes Gelübdes die Rache Gottes, der den Frevler beſtrafe, welcher ſich über alles Recht übermuthig ſtraflos hin⸗ wegſetzte. So iſt es hier mehr die Sicherung ſeiner geliebten Angehörigen, als die eigentliche Noth⸗ wehr, welche ihn zur Ermordung des Tyrannen antreibt. In wirkſamem Gegenſatz zu dem düſtern Vorhaben Tell's tritt eine fröhliche Hochzeit, die des Weges einherzieht, und im Geſpräche Tell's mit Stüſſi, das der geſchwätzige ſpaßhafte Flurſchütz anknüpft, ſind uns die beiden Seiten der Auf⸗ faſſung des menſchlichen Daſeins ſo nahe gerückt, daß die tragiſche Wirkung von des Lebens Kampf und Noth um ſo greller hervortreten muß. Um dieſelbe noch mehr zu erhöhen und zugleich die That Tell's noch mehr zu rechtfertigen, tritt ein armes Weib mit ihren Kindern auf, deren Mann und Ernährer ohne Urtheilsſpruch von Geßler eingekerkert worden iſt. Dem allein mit ſeinem Stallmeiſter zu Pferde nahenden Landvogt ſtürzt ſie, um Gnade flehend, entgegen, und wird von der Härte deſſelben zur höͤchſten Verzweiflung getrieben, ſo daß ſie ſich mit ihren Kindern vor die Füße ſeines Pferdes wirft, damit er ſie zertrete. Geßler in höchſter Wuth, droht noch ſtrengere

eſetze geben zu wollen, da ereilt ihn der verhängnißvolle Pfeil Tell's, und auf den Tod getroffen,