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Gattin meint, und ſo zieht er nun getroſt nach Altorf mit ſeinem älteſten Knaben, die Gattin in banger Sorge mit dem jüngſten Kinde zurücklaſſend.
Doch bevor wir ſeinen Weg, über den ein dunkles Schickſal brütet, weiter verfolgen, müſſen wir zu Rudenz zurückkehren, der„von eitlem Glanz verführt und von der Liebe Seile gebunden“, den Warnungen ſeines edelgeſinnten Oheims zum Trotz, ſich dem Gefolge Geßler's angeſchloſſen hatte. Aber die Liebe, die den unerfahrenen Jüngling in die falſche Bahn gezogen, ſie führt ihn wieder auf die rechte Bahn zurück. Wir finden ihn auf der Jagd, in wilder Waldesgegend, allein mit Bertha, dem Gegenſtande ſeiner Neigung. Da enthüllt ſich in dieſem edlen, tugendhaften Weibe die Allmacht der Liebe, die beſeligend die Keime des Guten und Edlen weckt und ihn wieder zurück⸗ führt auf den Platz, wohin die Natur ihn geſtellt hat, zu ſeinem Volke, das im Kampfe für die heilige Sache ſeines Landes begriffen iſt. Sie will nur die Seine ſein, hier im freien Vaterlande, das iſt das herrliche Ziel, welches dem muthigen Jünglinge verheißend winkt; nur im Vaterlande kann er in echtem Männermuth, als Erſter unter den Freien, wie ein König wirken. So hat die Liebe des edlen Weibes ſeinem Ehrgeiz die rechte Bahn gewieſen, und bald ſoll es ſich zeigen, ob der Jüngling zum thatkräftigen Manne gereift iſt.
Die Jagd iſt vorübergezogen, uns mit frohen Gefühlen über die Bekehrung des Rudenz zu⸗ rücklaſſend. Wir treffen wieder zu unſerem Tell und begleiten ihn auf ſeinem Wege zum Schwieger⸗ vater. Er muß an der Wieſe von Altorf vorbei, wo auf der hohen Stange der Hut von Oeſter⸗ reich thront und zwei Männer Acht haben, ob dem Hute die geforderte Reverenz erwieſen wird. Frauen ziehen vorüber und ſpotten, ihre Männer ziehen den Umweg vor, um nicht in Gefahr zu gerathen. Da kommt arglos, in trautem Geplauder dahergeſchritten der Schütze Tell, der dem wiß⸗ begierigen Knaben die Bedeutung des vor ihren Augen liegenden Bannberges und zugleich ſeine Liebe zur Heimat und zur Freiheit in warmen Worten bekundet. Sie wollen gerade vorübergehen, als Walther den Vater auf den Hut aufmerkſam macht; doch dieſer will unbekümmert weitergehen, als der gereizte Wächter Frieshard, froh, endlich einen Verächter des Geſetzes gefunden zu haben, ihm mit vorgehaltener Pieke Halt gebietet und ihn zu ſeinem Gefangenen macht. Es entſteht ein Tu⸗ mult; viele der Verſchworenen finden ſich ein; Röſſelmann, Stauffacher, Walther Fürſt, Melchthal; man bittet und droht; Tell, anfangs empört über die Zumuthung, er ſei ein Verraͤther, verhält ſich jetzt ruhig und lehnt alle Hülfe ab, auf ſein gutes Recht und ſeine Unſchuld bauend. Aber der er⸗ boste Waͤchter ſchreit über Meuterei und Empörung, als er am Schalle der Jagdhörner die Nähe Geßler's merkt. Da naht er ſelbſt, der Gefürchtete, umgeben von ſeinem Jagdgefolge und einem ganzen Troß bewaffneter Knechte, und mit harten Worten gebietet er, das Volk auseinander zu treiben und fragt dann nach der Urſache des Hülferufes. Nachdem der Wächter ſeine Klage vorgebracht, wendet ſich der geſtrenge Vogt an Tell und wirft ihm böſes Trachten vor, da er ſich ungehorſam gezeigt habe. Tell bittet um Verzeihung und erklärt, daß er aus Unbedacht, nicht aus Verachtung des Vogtes ſo gehandelt habe und fügt hinzu, daß die Beſonnenheit ihm überhaupt ab⸗ gehe:„Wär' ich beſonnen, hieß ich nicht der Tell.“ Allein der hartgeſinnte tyranniſche Vogt hört nicht auf ſeine Entſchuldigung und Bitte, er hat in ſeinem Innern ſchon die Verurtheilung beſchloſſen und ſucht nur nach einer empfindlichen Strafe, die ſeinem tyranniſchen Gemüthe am beſten zuſage. Da fällt ihm nach einigem Stillſchweigen, das allen ſeinen ſcharfen Worten, wie die peinliche Pauſe vor einer Folterung, vorangeht, ein, daß Tell ein guter Schütze ſei. Er fragt den Argloſen, ob er noch mehr Kinder als jenen Knaben habe und welches ihm das liebſte wäre. Dann trägt er ihm das Schreckliche auf, von dem Haupt dieſes geliebten Kindes einen Apfel zu ſchießen. Der beſtürzte Tell traut ſeinen Sinnen kaum:
„Verhüt's der gnäd'ge Gott, das könnt ihr Im Ernſt von einem Vater nicht begehren.“
Allein der grauſame Vogt ruft:
„Du ſchießeſt oder ſtirbſt mit deinem Knaben.“
Ja, er ſpottet der Seelenangſt ſeines Opfers, deſſen freiheitsliebenden, auf ſich geſtellten Cha⸗ rakter er längſt durchſchaut hat. Dieſem Manne, der ſeinen eigenen Weg gehe, habe er auch ein eigenes Wageſtück ausgeſucht, und um ſeinen Befehl ins Werk zu ſetzen, bricht er einen Apfel von einem naheſtehenden Baume und beſtimmt dem Schützen achtzig Schritte. Alle ſind von Schrecken ergriffen, ſelbſt des Landvogts getreuer Stallmeiſter empfindet Mitgefühl. Vergebens legt Bertha
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