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Werfen wir einen Rückblick auf die einzelnen Punkte der Expoſition, ſo können wir dieſelben unter zwei Haupt⸗Geſichtspunkte ordnen: 1) Aufführung der Gewaltthaten in fortſchreitender Stei⸗ gerung, und 2) Darlegung der Volksſtimmung in ebenfalls fortſchreitender Steigerung. Wie herr⸗ lich tritt uns da die vollendete Kunſt des dramatiſchen Dichters, ſeine weiſe Oekonomie in der An⸗ ordnung und Scenirung des reichen Stoffes entgegen. In der ungezwungenſten Weiſe führt er uns durch die drei Landſchaften, entfaltet uns die herrlichſte Schilderung des idylliſchen Glückes ſeiner unſchuldsvollen Bewohner, zeigt den harten, ſich immer mehr ſteigernden Druck der gewalt⸗ thätigen Vögte, beginnend mit dem verſuchten Frevel an Baumgartens Ehre, und gipfelnd in der ſcheußlichen Blendung, verübt an einem alten hülfloſen Manne. Daneben wächſt der Unmuth des Volkes, das in der Noth ſich immer feſter aneinander ſchließt. Des Unterwaldners Baumgartens That wird nicht blos gelobt, wo ſie ruchbar wird, er ſelbſt findet Hülfe an Tell aus Schwyz, er wird aufgenommen von Stauffacher aus Uri, wie Melchthal aus Unterwalden bei Walther Fürſt aus Schwyz. Geſinnung und That fangen an, gemeinſam zu werden. Die Entrüſtung gibt ſich zuerſt kund bei dem einfachen, ſchlicht rechtlichen Hirtenvolke, dringt dann ein in den begüterten Stand; der noch ſchwankende Stauffacher, von ſeiner Gattin belehrt und angefeuert, kommt zur Erkenntniß der Nothwendigkeit der Selbſthülfe; der bedächtige Walther Fürſt kann ſich derſelben nicht mehr entziehen; ſelbſt die Arbeiter der Zwingburg ſind empört, und auch der Edelſte aus dem Adel des Landes, auch Attinghauſen ſieht nur Heil im engen Anſchluß an das Vaterland. Das ganze Volk vom Adel bis zum Bauern fühlt die Schwere des Druckes, und ſchon haben ſich drei freie Männer aus dem Volke die Hand gereicht zu Schutz und Trutz.
2. Aufzug.
Der Freiherr v. Attinghauſen ſucht vergebens ſeinen hochſtrebenden Neffen, den Ehrgeiz und Liebe zu Oeſterreich hinziehen, für die Sache des Vaterlandes zu gewinnen. Der verblendete Jüng⸗ ling, patriarchaliſches Glück und den wirklichen Adel, ein freier Herr und Fürſt auf eignem freien Boden zu ſein, verſchmähend, zieht eigenwillig von dannen, während der lebensmüde Greis, um ſeine ſchönſte Hoffnung betrogen, die hereinbrechenden Neuerungen jammernd beklagt. Wohl war ſeine Zeit eine andere; da war es nöthig, daß ein redlich waltender weiſer Führer das Volk leitete, für daſſelbe ſorgte wie ein Vater für ſeine Kinder, für daſſelbe dachte und handelte, und dieſes hatte er in vortrefflicher Weiſe gethan. Aber ſiehe da, die Noth hat es gelehrt, ſich auf eigene Füße zu ſtellen, es iſt zur Mündigkeit gereift. Auf der Wieſe des Rütli ſehen wir es in förmlicher Landge⸗ meinde tagen. In der feierlichen Stille der Nacht kommen ſie zuſammen, die Vertreter des Landes, 33 Männer, feſt entſchloſſen, das tyranniſche Joch nicht länger zu ertragen. Auch pflichtige, eigene Leute befinden ſich unter ihnen; ſie ſind nicht ausgeſchloſſen von der gemeinſamen Sache des Vater⸗ landes. Welch heiliger Ernſt ruht über dieſer entſchloſſenen Schaar! Jeder Privatzwiſt verſtummt in dieſer feierlichen Stunde, wo das öffentliche Wohl ſie alle vereint. Meier und Reding ſchütteln ſich die biedere Rechte. Der würdige Pfarrer Röſſelmann ſteht feſt auf dem Boden des Vaterlandes, er kennt noch nicht den Ruf derer, die jenſeits der Berge wohnen, und iſt der erſte, der die Landes⸗ gemeinde zu conſtituiren vorſchlägt. Da pflanzen ſie nach alter Sitte die Schwerter auf und bilden einen Ring; da wählen ſie einſtimmig den Altlandammann Reding zum Haupte, der, geſtützt auf ſein Schlachtſchwert, mit feierlichen Worten die Verſammlung eröffnet. Stauffacher tritt als Sprecher in den Kreis und verkündet, daß ſie keinen neuen Bund ſtiften, ſondern nur den uralten Bund erneuern wollten. Sie ſeien Männer deſſelben Stammes und Blutes, aus einer Heimat gekommen; ihre Zuſammengehörigkeit und Stammverwandtſchaft ſei in der Urgeſchichte des Volkes bezeugt Er weiſt hin auf ihre alten verbrieften Rechte, die ſie ſchon früher in einem Falle dem Kaiſer gegenüber
aus der unverhältnißmäßigen Länge des erſten Aufzuges gegen den zweiten hervorgegangen zu ſein. Auch mochte dieſelbe in ihrer ſtillen und einfachen Größe für den Anfang eines Aktes ihm beſonders paſſend erſchienen ſein, ob⸗ wohl er den Umſtand nicht achtete, daß wir aus dieſer an einem frühen Morgen Statt findenden Scene plötzlich in die dunkle Nacht auf die Rütliwieſe verſetzt werden. Wäre dieſe Scene hingegen in den erſten Akt nach Tells Zu⸗. ſammentreffen mit Stauffacher geſetzt worden, ſo wäre der 5 Stunden weite Weg nach Altorf, den beide gemeinſam machten, beſſer berückſichtigt worden.
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