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ſinnten Freundes aus. Er unterrichtet ihn von der Bedrückung in Unterwalden und der heroiſchen That Baumgartens, die Walther Fürſt als ein Gottesgericht anſieht und knüpft daran die lebhafte Schilderung der grauſamen Gewaltthat, welche an dem Vater Melchthals von dem argliſtigen Vogt für die Flucht ſeines Sohnes verübt wurde, der Blendung des hülfloſen alten Mannes. Der im Nebenzimmer verborgene Sohn hört es, ſtürzt hinzu und gibt ſeiner Verzweiflung in den rührendſten, herzerſchütterndſten Accenten Ausdruck.*)
Zu dem ungeheuren Schmerze über die gräßliche That tritt der Zorn gegen den Frevler, der in gewaltigen Worten hervorbricht. Gleich wie der Herzog von Norfolk in König Richard II., wenn er den Bolingbroke herausfordert, ſeinem tobenden Zorne Luft macht in den Worten:„Müßte ich ſelbſt zu den Eisrändern der Alpen zu Fuße wandern, ich würde ihn treffen“, ſo gipfelt die Wuth des gemarterten Kindesherzens hier in den Worten:
„Und wohnt er droben auf dem Eispalaſt
Des Schreckhorns oder höher, wo die Jungfrau Seit Ewigkeit verſchleiert ſitzt, ich mache Mir Bahn zu Ihm; mit zwanzig Jünglingen, Geſinnt wie ich, zerbrech ich ſeine Feſte.“
Seine Leidenſchaft, ſein flammender Rachedurſt reißt zuerſt den ſchon ergrauten Staufeacher, dann auch den bedenklichen Walther Fürſt mit ſich fort, die letzten Bedenken ſchwinden vor dem Uebermaße des Unglücks, und die drei Männer aus Schwyz, Uri und Unterwalden, der Greis, der Mann und der Jüngling, reichen ſich die Hände zu Schutz und Trutz auf Tod und Leben zur Ver⸗ theidigung ihrer Freiheit und ihrer Rechte. Auf der Rütliwieſe, da wollen ſie jeder mit zehn ver⸗ trauten Männern in nächtlicher Stunde zuſammentreffen, um dort mit Gottes Hülfe das Weitere zu berathen, den Bund der Abwehr zu ſchließen und zu weihen. Schon bricht das erſte Dämmer⸗ licht der Freiheit durch die dunkle Nacht des Jammers, wenn am Schluſſe dieſer impoſanten Scene Melchthal in die Worte ausbricht:
...........„Blinder, alter Vater, Du kannſt den Tag der Freiheit nicht mehr ſchauen;
Du ſollſt ihn hören! Wenn von Alp zu Alp
Die Freudenzeichen flammend ſich erheben,
Die feſten Schloſſer der Tyrannen fallen:
In deine Hütte ſoll der Schweizer wallen,
Zu deinem Ohr die Freudenkunde tragen,
Und hell in deiner Nacht ſoll es dir tagen!“
Somit wäre mit dem Schluß des erſten Aufzuges die Expoſition des Stückes gelöſt, wenn nicht die erſte Scene des zweiten Aufzuges, die Stellung des Rudenz zur Sache des Vaterlandes und den Wünſchen ſeines edlen Oheims nothwendig zu demſelben gehörte.**)
*) S. Düntzer S. 139.„Nachdem dieſer ſtumm, die Hand vor die Augen drückend, ſeinem leidenſchaftlichen Schmerze einige Augenblicke ſich hingegeben, ſtellt er ſich in rührendem Erguſſe ſeines Gefühls das ganze Unglück vor, leben zu müſſen, ohne des Lichtes der Augen ſich zu erfreuen. Dieſen innigen Ausdruck des Gefühls hat man zu hoch für den einfachen Hirtenſohn finden wollen, aber die dramatiſche Dichtung hat das Recht, in ſolchem Falle zu idealiſiren und ihren Perſonen den lebendigen Ausdruck ſchwungvollen Gefühls zu leihen. Das, was Melchthal ſagt, iſt keine feine Abſtraktion, ſondern aus tiefſtem Naturgefühle gefloſſen.“ Vergleichen wir damit jenen herrlichen Preis des heiligen Lichtes, den der blinde Dichter Milton im 3. Buche ſeines Paradise lost ſingt. Dort finden wir jene ähnlichen, ſchönen Ergüſſe:
........„Wohl wieder kehrt
Der Jahreszeiten Lauf; mir kehrt kein Tag
Zurück, kein Morgen⸗ und kein Abendroth,
Nicht Lenzes Blüthe, nicht des Sommers Roſen;
Mir lacht der Menſchen göttlich Antlitz nicht,
Das ſtete Dunkel, das mich einhüllt, trennt
Mich von des Lebens fröhlichem Verkehr
Und reicht mir ſtatt des Buchs lebend'gen Wiſſens
Ein leeres Blatt, verwiſcht und ausgelöſcht
Sind mir die Werke der Natur, und ganz
Iſt ein Weg zur Erkenntniß mir ver Woſſen. **) Warum nun der Dichter dieſe Scene nicht in den erſten Aufzug ſetzte, ſcheint, wie Düntzer treffend bemerkt,


