Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Musterschule
Entstehung
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Schaffots und wird nur befreit, um wieder als Geiſel in die Feſtungen von Charlemont und Givet geſchleppt zu wer⸗ den.*) Da bricht der Muth ſeines Freundes; Hufnagel ver⸗ ſinkt in qualvolle melancholiſche Leiden, während über die Stadt ſelbſt immer neue Kriegsdrangſale kommen, und die franzöſiſche Barbarei ſie zwei Mal mit ſchweren Brand⸗ ſchatzungen heimſucht.**)

Konnte unter ſolchen Kriegsleiden an das Friedenswerk einer Reform des Schulweſens gedacht werden? Nur ein Bericht des Schöffen Hetzler über den Zuſtand des Schul⸗ weſens und ein umſichtiger Plan zur Verbeſſerung gab Zeugniß von der Einſicht und dem guten Willen der Be⸗ hörde, aber auch die bittere Erfahrung, daß die erſte Reform, mit welcheraman vorging, die Einführung eines neuen ABC⸗Buchs, Jahre lang auf zähen Widerſtand ſtieß.

*) Freiherr Friedrich Maximilian von Günderrode, geb. zu Frankfurt a. M. am 13. Dec. 1753, tritt 1775 in die Dienſte des Fürſten von Naſſau⸗Uſingen, von da 1785 in den Senat ſeiner Vater⸗ ſtadt und 1787 in das Kollegium der ſieben älteren Schöffen und kaiſerlichen Räthe, wird Konſiſtorialdirektor, geht 1792 an der Spitze einer Deputation nach Paris, um den Nachlaß einer Kontribution zu betreiben, wird dort mit ſeinen Begleitern verhaftet, mit dem Tode bedroht und erſt um Todestag des Königs wieder in Freiheit geſetzt. Im Sommer 1796 wird er auf Jourdan's Befehl von neuem verhaftet und als Geiſel für eine abermals auferlegte Kontribution nach Frank⸗ reich geführt. Nach ſeiner Rückkehr vertritt er Frankfurt bei dem Raſtadter Kongreß; im Jahre 1806 geht er nach Paris, um bei dem Kaiſer den Erlaß der von Augereau der Stadt auferlegten Kontribution zu betreiben; in der Primatiſchen Zeit wird er Stadt⸗ ſchultheiß, Geheimerath und endlich Präfekt des Departements Frankfurt und Wetzlar. Auch ſpäter noch wirkte er in den höchſten obrigkeitlichen Würden als Bürgermeiſter, Präſident des Appellationsgerichts und des geſetzgebenden Körpers. Er ſtirbt 9. Mai 1824.

**) Im Jahre 1792 mit 2 Mill. Gulden und im Jahre 1796, nach einer verderblichen Beſchießung, mit 8 Mill. Franken.