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wird durch die Fügung der Vorſehung derſelbe Mann hierher in die freie Reichsſtadt an die Spitze der Geiſtlichkeit geführt und findet hier den rechten Ort und fühlt in ſich Muth und Kraft, ſein unvergeſſenes„Wort“ zur That zu machen. Er, der Mann der Kirche, Senior Dr. Hufnagel,*)— ſchickt ſich an, der Reformator der Schule zu werden. Und, durch hohe Geſinnung und reichen Geiſt ihm bald innig befreundet, bietet dem Manne der Kirche der große Staatsmann der Stadt, Max Freiherr von Günderrode, zu vereintem Wirken die Hand.
Aber die ſtarke Hand wird plötzlich gefeſſelt; der mächtige Schöff und Kaiſerliche Rath der freien Reichsſtadt liegt im Kerker der franzöſiſchen Hauptſtadt hart am Rande des
*) Dr. theol. Wilhelm Friedr. Hufnagel, geboren 15. Juni 1754 in Schwäbiſch Hall,— wird an der Univerſität Erlangen 1779 Privatdocent, 1783 Profeſſor der Theologie, erhält dazu, nachdem er einige Zeit an qualvoller Hypochondrie gelitten, 1788 das Paſtorat an der akadem Kirche und die Leitung des Predigerſeminars und wird 1791 auf Günderrode's Betrieb als Senior und Konſiſtorialrath, ſcoowie Sonntags⸗Frühprediger zu den Barfüßern, nach Frankfurt a. M.
berufen. Auch hier kehren, in den Jahren 1792 und 1796, ſeine früheren Leiden wieder und beugen ihn durch ein„fürchterliches Angſtgefühl“ nieder, aber wiederhergeſtellt entfaltet er die ganze Fülle ſeines Geiſtes und wirkt nach allen Seiten hin wohlthätig. Er ſtirbt 7. Febr. 1830.— Außer der oben angeführten Schrift:„Ein Wort für und über öffentliche Schulen,“ Erlangen 1786, ſchrieb er noch eine Reihe von pädagogiſchen Aufſätzen in der Zeitſchrift für Chriſtenthum, Auf⸗ klärung und Menſchenwohl(Erlangen, J. J. Palm, 1787 bis 1797).— Die ſeiner Zeit aufgetauchte Vermuthung, daß er, der Deutſchgeſinnte, auch die Schrift„Deutſchland in ſeiner tiefſten Erniedrigung“ geſchrieben und dadurch den Tod ſeines Freundes Palm veranlaßt habe, iſt voll⸗ kommen widerlegt und dagegen feſtgeſtellt, daß der Verfaſſer jenes Buchs der removirte gräflich Rechtern'ſche Konſiſtorialrath Yelin war, der nach Palm's Erſchießung flüchtig wurde und verſchollen iſt.(Vergl. Dr. Stricker, Erinnerungsblätter an Hufnagel, Frankfurt 1851,— und Didaskalia vom 31. Auguſt 1864.) 1


