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beaufſichtigt und alljährlich viſitirt, oder auch gar nicht beauf⸗ ſichtigt und nur alle 20 Jahre einmal viſitirt,— wie denn einer der Schulhalter ſelbſt(Schirmer, † 1786) darüber klagt, daß die angeordneten Schulviſitationen ſeit mehr als 20 Jahren aus der Uebung gekommen.
In dieſen Quartierſchulen nun, die im Gegenſatze zu zahlreichen„Winkelſchulen“ und zu dem Privatunterricht, den „an die 200 Schulſtöhrer und Herumläuffer“, ertheilten, immerhin den Charakter öffentlicher Schulen trugen,— wurden Knaben und Mädchen jedes Alters vereint, oft 200 und mehr in eine dumpfe Stube zuſammengedrängt,*) vom Morgen bis Abend in Lehre und Zucht gehalten, im Katechis⸗ mus, Leſen und Schreiben geübt, wohl auch noch im Rechnen unterrichtet, wofür die Schulordnung„für die, ſo wohl⸗ habend ſind,“ 2 fl. quartaliter anſetzte, und endlich wenigen Auserleſenen„in der Privat“ auch noch etwas Franzöſiſch beigebracht.
Unter ſolchen Verhältniſſen lebte die Jugend in Lehre und Noth, ſtrenger Zucht und unbändiger Rebellionsluſt,— ein Leben, wie es von Finger in ſeinem„Büchner“ treffend gezeichnet und in dem(übrigens ganz ehrenwerthen)„Gräff, wie er leibt und lebt“ dramatiſch uns vorgeführt wird, um ein glücklicheres Geſchlecht mit der Trübſal und Unbändigkeit der Väter und Großväter zu beluſtigen.
Woher ſollte in ſolchem Nothſtand Hülfe kommen?
In weiter Ferne, in Erlangen, geht vom Stndiertiſche eines gelehrten Profeſſors„Ein Wort für und über öffent⸗ liche Schulen“ aus,— ein flüchtiges Blatt, das der Früh⸗ lingshauch einer neuen Zeit in die Welt wehte und— wir⸗ kungslos zu verwehen ſchien. Doch fünf Jahre ſpäter(1791)
*) Finger ſtellt feſt, daß im Durchſchnitt 2 Quadratfuß Raum auf das Kind kamen, während wir jetzt 10 für erforderlich halten.


