Aufsatz 
Erziehung und Wehrhaftigkeit
Entstehung
Einzelbild herunterladen

14

Ein anderer Grundzug in dem kriegeriſchen Bilde unſerer Altvordern iſt die Dienſttreue. Der große Gedanke des Vaterlandes, der in Griechenland und Rom die mächtige Triebfeder zu ſtarken Thaten geweſen war, ging in den ritterlichen Zeiten des deutſchen Volkes in dem einen Herrn auf, dem man in Treuen Dienſt gelobt hatte. Der grimme Hagen, wie der milde Rüdiger und alle Mannen der Nibelungenſchlacht ſterben ohne Wanken den Tod der Treue. Noch bis in die ſpäte Ritterzeit zieht ſich dieſer Grundton deutſcher Tapferkeit, und er iſt, ſo hoffen wir, noch jetzt in unſerm Volke nicht erſtorben, wenn auch, begreiflicher Weiſe, hier die Dienſttreue patriarchaliſcher Zeiten nicht in ihrer konkreten Perſönlichkeit in unſere Verhältniſſe übergehen konnte und die ſchöne Verknüpfung, in welcher völlige Hingebung an den Dienſt des Vaterlandes ſich in einer gleich ſtarken perſönlichen Liebe zu dem Herrſcher ver⸗ körpert, nur noch in beſonders glücklichen Fällen getroffen werden mag. Aber eins muß von dieſer Dienſttreue übrig geblieben ſein, wenn überhaupt noch ein Volk in Waffen zuſammenſtehen ſoll; das iſt die Selbſtentäußerung des eigenen Willens im Reſpekt vor einem andern, höheren. Im Großen und Ganzen iſt es die Unterordnung unter das Geſetz und unter das Wohl des Staates, im Kriege ſelbſt aber der treue, ich möchte ſagen, blinde Gehorſam gegen den Kriegsherrn. Im Sturm des Krieges müſſen die Wogen der Begeiſterung hoch aufſchäumen, aber zugleich in ſtrenge Schranken gebannt werden. In unſeren Kriegen zumal handelt es ſich vielleicht am wenigſten um freien Kampfes⸗ muth; denn unſere Schlachten werden mehr durch die Taktik der Märſche und der Aufſtellung, mehr durch ſtille mark⸗ verzehrende Mühen der Truppen, als durch wilden Anlauf gewonnen; und die da ſchlachtenfroh ausziehen, ſollen ihren