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wurde, ihr zu, und ſein Wort wurde willig gehört:„Ihr ſeid jetzt Jugend, der kein anderes Geſchäft zukommt, als ſich ſo einzurichten, daß ſie gedeihlich wachſe, ſich bilde, ſich nicht durch eitle Gebräuche aufreibe. Ihr habt nicht zu be⸗ reden, was im Staate geſchehen oder nicht ſoll: nur das geziemt euch zu überlegen, wie ihr einſt im Staate handeln ſollt, und wie ihr euch dazu würdig vorbereitet.“
Auch der rechte Patriotismus lernt ſich übrigens nicht in der Schule allein. Wenn der Knabe in ſeiner Ge⸗ ſchichtsſtunde für Leonidas ſchwärmt, ſo denkt er noch nicht daran, daß ſeine Thermopylen am Rheine liegen; erſt wenn er ſein Vaterland erlebt und in dieſem Leben mit voller Liebe hat lieben lernen, wird er inne, wo ihm die Kränze des Ruhmes winken. Eine ſolche Liebe zur Heimath aber hat ihre zarteſten und zugleich feſteſten Wurzeln in der Familie. Sie wird hier nicht angelehrt, ſondern lebt ſich durch die Sitte des Hauſes, durch ſeine deutſche Art und Innigkeit unmerklich in das Herz der Jugend ein; ſie nährt ſich an den Traditionen, die von der Väter und Vorväter ehrenhafter Weiſe zu erzählen wiſſen, und wächſt groß in der Ehrfurcht und Treue für das von den Vorfahren be⸗ wahrte und überlieferte Recht. Auch hier iſt die Weiſe, die der Väter Sitte und Erbe im Kleinen, wie im Großen mit vorurtheilsvoller Liebe hegt und pflegt und an dem Alt⸗ hergebrachten hängt, viel beſſer, als die Neigung, die der Fremdländerei bereitwillig Thür und Thor öffnet.
Am unerträglichſten aber für das Ohr der friſchen Jugend iſt die Krittelei, die den Staat verunglimpft, den der Knabe als ſein Vaterland lieben möchte. Die politiſche Kannegießerei des Hauſes iſt das ſchlimmſte Gift für den Patriotismus der Jugend. Die Erwachſenen mögen es ver⸗ ſuchen, ihren kritiſchen Unmuth auf die inneren Zuſtände


