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Vaterland durch Geſchichte, Gewöhnung und patriotiſche Sitte deſto näher ans Herz legen.“(Palmer.)
Hierbei muß auch die Schule ihres Amtes warten, indem ſie durch ihren Unterricht in der Geſchichte und Heimathskunde, in der deutſchen Sprache und Literatur vaterländiſchen Sinn zu wecken und zu feſtigen ſucht; und es mag dabei nicht viel ſchaden, wenn die deutſche Gründ⸗ lichkeit und gemeſſene Objektivität einmal in der Begeiſterung für des eigenen Volkes Thaten und Herrlichkeit ſich vergißt und gleichen kritikfreien Enthuſiasmus auch in der Jugend entzündet. Mehr iſt zu warnen, daß nicht der Lehrer, unter dem Einfluſſe unſerer Zeitſtimmung, der Verſuchung zum Po⸗ litiſiren nachgebe, und am meiſten, daß er nicht der Politik des gewöhnlichen Tagesgeſprächs, die viel mehr von der Lächerlichkeit und Aermlichkeit, von der Zerriſſenheit und Ohnmacht des eigenen Volkes zu klagen, als von der Väter Heldenthaten und uralter deutſcher Treue zu ſagen weiß, auch den Eintritt in die Schule geſtatte. Es iſt ſehr zweifel⸗ haft, ob die Jugend irgend eines anderen politiſchen Ver⸗ ſtändniſſes bedarf, als deſſen, was aus den Thatſachen der Geſchichte ſelbſt ſich ergiebt. Dieſes aber lehrt, dem Drange edler Begeiſterung zur Seite, zugleich die Geduld, welche ſich beſcheidet, daß der Leiter der Weltgeſchicke nicht nach dem Pulsſchlage heißblütiger Reformer mit der Welt⸗ geſchichte weiter eilt. Wenigſtens iſt es ein Irrthum, wenn man meint, die Jugend müſſe über das Vaterland politi⸗ ſiren lernen, um für das Vaterland kämpfen und ſterben zu können.—
Bei jenem Wartburgfeſte, an dem die akademiſche Jugend Deutſchlands in höchſter Begeiſterung patriotiſch ſich ver⸗ brüderte, rief einer ihrer geliebteſten und freiſinnigſten Lehrer, Oken, der ſelbſt ein Opfer ſeiner Freiſinnigkeit


