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Und hier, indem man das Bild alten Heldenthums ſich vorhält, denkt man zunächſt an jenen Patriotismus, der einſt Griechen und Römer zu unwiderſtehlicher Tapferkeit anfeuerte, und ſucht an den Beiſpielen jener heldenhaften Vaterlandsliebe in unſerer Jugend eine gleiche kampfmuthige Begeiſterung zu entzünden. Aber der Patriotismus, der einſt bei Marathon das Panner führte, kann nur in ſehr veränderter Geſtalt in unſere chriſtlichen Kriege eintreten; denn er wurzelt in dem Egoismus, der das eigene Volk als die höchſte Blüthe der Menſchheit verehrt und alles Ausländiſche als Barbarenthum verachtet. Die Vaterlands⸗ liebe der Alten trug den Stachel des Nationalhaſſes in ſich; dieſem Stachel aber hat der Geiſt des Chriſtenthums die Spitze genommen, und im Fortſchritt der Humanität ſtrebt der Patriotismus zum Kosmopolitismus hin. Dieſer Fortſchritt iſt berechtigt, aber wahrhaftig nicht in dem Sinne, als ob man alle Welt mehr lieben müſſe, als ſein eigenes Vaterland. Und doch iſt leider gerade in unſerem Volke die ſchöne Bereitwilligkeit in der Anerkennung, fremder Würde bis zur Verdunkelung des Bewußtſeins eigenen Werthes und zu einer ſo abergläubiſchen Verehrung des Fremdländiſchen ausgeartet, daß Deutſche den Fremden gegenüber mit heimlicher Scham ſich ſelbſt für Barbaren halten und dieſes Barbarenthum mit welſcher Mode, welſcher Waare, welſchen Manieren und welſcher Rede zu verdecken ſuchen. Wie ſehr durch fremde Sitte auch der ehrliche deutſche Sinn verwelſcht, das bedenkt man nicht.
Will man eine patriotiſche Jugend, ſo muß man vor Allem„dieſe wie eine Seuche graſſirende Vorliebe für alles Fremdländiſche, insbeſondere für das Franzöſiſche, in dem Maße, als die Wahrheit und die allgemeine Menſchenliebe es erlaubt, niederſchlagen und dagegen dem Kinde das eigene


