Aufsatz 
Erziehung und Wehrhaftigkeit
Entstehung
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nüchtern aufbrechen ſollen, beſonders nach einer kalten, unter freiem Himmel zugebrachten Nacht.

Was aber hier Noth thut, iſt nicht allein durch eine diätetiſche Abhärtung zu erreichen, wie man ſie wohl durch kalte Bäder im Sommer und warme Ueberzieher im Winter zu betreiben pflegt; denn wir brauchen nicht nur geſunde und kräftige Jünglinge, ſondern ſolche, die an Entbehrungen und an ſtarke Selbſtverleugnung und Selbſtüberwindung gewöhnt ſind, ſolche, die nicht nur gelernt haben, ihre Geſundheit zu kräftigen, ſondern auch Geſundheit und Leben mit freudigem Muthe einzuſetzen, wo die Pflicht es fordert. Solche Tugenden aber finden ihren Urſprung und ihre wichtigſte Pflege nicht in der Schule, ſondern in der Familie; und die Mutter, die hier atheniſche Sitte mit ſpartaniſcher Einfachheit und Strenge zu vereinen weiß, iſt die beſte Verbündete des Turn⸗ warts und eine ſtarke Stütze der Wehrhaftigkeit des Volkes. Nur möge auch die Volksſitte und der Volksgeiſt dafür ſorgen, den Pflegling des Hauſes und der Schule weiter zu kräftigen. Und in ſolcher Hinſicht ſind die Turnvereine Erwachſener, wenn ſie wirklich zu einem natürlichen und dauernden Erſatz für abgekommene kriegeriſche Volksſpiele ſich ausbilden, von großem Gewinn:

Denn Knaben üben gerne, was ſie an Männern ſehn, Und bilden's nach im Spiele, ſo pflegt es zu geſchehn.

Aber wie ſehr man auch durch ſolche Uebungen Leib und Seele ſtählen möge, ſo kommt es doch noch am meiſten darauf an, daß die geſtählte Kraft auch auf den rechten Punkt der Thätigkeit gelenkt werde, d. h., daß der ſchlag⸗ fertige Mann auch freudig bereit ſei, mit allen Mitteln ſeiner Kraft fürs Vaterland einzutreten.