Aufsatz 
Erziehung und Wehrhaftigkeit
Entstehung
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abgeliefert werden. Aber keinen unverſtändigeren Troſt kann es geben.

Wir haben einen Feind, der alle Kräftigungskünſte der Schule zu Schanden machen kann, das iſt die Verweich⸗ lichung des Hauſes. Nicht allein jene Verweichlichung, die in fröſtelnder Haut und ſchlaffen Gliedern ſich zeigt, ſondern noch mehr die Verweichlichung, die durch zärtliche Zuvor⸗ kommenheit, verfeinerte und verfrühte Genüſſe, entnervende Politur, überreizende Bücher den Geiſt erſchlafft.Wie wäre es möglich, daß aus einem Familienſchlaraffenleben, wie es in unſerer Zeit des fleiſchlichen Epikuräismus ge⸗ wöhnlich iſt und allen Gelüſten der Kinder zu genügen ſucht, eine willenskräftige Jugend hervorginge?(K. v. Raumer.) Wie ſollen Knaben, die Tag und Nacht in einer ſo weichen Atmoſphäre welken, ſich erkräftigen können, wenn auch hin und wieder die friſche Luft einer Turnſtunde ſie anweht? und wie kann und darf auch nur die Schule mit ſolchen wagen, was das Haus zu wagen für große Gefahr hält? Ueberhaupt aber erfüllen Turnen und Spiel und andere Leibesübungen, ſo wohlthätig ſie als Bewegung und zur Kräftigung der Muskeln ſind, doch den Zweck, die Geſund⸗ heit zu befeſtigen, noch nicht; vielmehr zeigt ſich ſehr häufig, daß gewandte und kräftige Turner dennoch für Einflüſſe der Witterung, der Nahrung und Aehnliches ſehr reizbar ſind und Gefahr laufen, bei jeder bedeutenden Strapaze, wo ſie ſolchen Einflüſſen ausgeſetzt ſind, ihre Geſundheit zerſtört zu ſehen.(Paulus, Principien ꝛc.)Im Kriege aber, ſagt Einer, der ſelbſt mit zu Feld geweſen(K. v. Raumer), ſind abgehärtete, genügſame, nicht verwöhnte Jünglinge den verweichlichten, ungenügſamen, verwöhnten weit voraus. Verwöhnte gerathen ganz aus der Faſſung, werden wie verſtandesſchwach und muthlos, wenn ſie etwa morgens