Aufsatz 
Erziehung und Wehrhaftigkeit
Entstehung
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den, daß der Schüler mit freier Luſt und Liebe turne und mit eben dieſer Luſt auch unter die ſtrenge Zucht des Turnens ſich füge.Gute Sitten müſſen auf dem Turn⸗ platz mehr wirken und gelten, als anderswo weiſe Geſetze, ſagte Jahn. Wenn hier und da die Vaterlandslieder, mit denen einſt die Turnerei unbewußt ſich zu Grabe ſang, jetzt wieder durch Reſkripte zur Belebung des Turnens an⸗ empfohlen werden, ſo meinen wir, der Lehrer, dem die Bruſt von Vaterlandsliebe ſchwillt, wird dieſe ſchon von ſelbſt mit ſeinen Knaben ausſingen; und wenn die eigene Bruſt nicht dazu treibt, ſo mögen beide ſchweigen. Wenn aber der Kriegesdonner ſich wieder erhebt und der Zorn eines Volkes in Waffen aufſteht, dann wird der Geiſt von der Haſen⸗ haide von ſelbſt auch wieder durch unſere Jugend brauſen und unſere Turnhallen ungeſucht zu Rüſtplätzen eines kampf⸗ begierigen Geſchlechts machen. Schon jetzt weht ein Hauch dieſes Geiſtes durch das Volk und die Jugend, und man ſoll ihn nicht dämpfen, nur aber auch weder hier noch dort ihn erkünſteln und in hohle Phraſen und eitele Soldaten⸗ ſpielerei ausarten laſſen.

Je höher man übrigens den Werth des Turnens ſchätzt, um ſo mehr iſt vor einem weiteren Mißverſtande zu warnen, vor der Meinung nämlich, als ob die Schule allein den Knaben zu einem tüchtigen Turner zu bilden vermöge.

Wie man ſich überhaupt immer mehr gewöhnt, für ſein gutes Geld Alles von der Schule zu verlangen, nicht nur das Unterrichten, ſondern auch das Erziehen, ſo pflegt man ſich wohl auch damit zu beruhigen, das neu aufge⸗ kommene Geſchäft des Wehrbarmachens der Jugend an die Schule in Akkord zu geben und, die Hände im Schoß, darauf zu warten, daß der zimperliche Knabe, den man ihr in die Arbeit giebt, ſeiner Zeit als fertiger Leonidas werde