Aufsatz 
Erziehung und Wehrhaftigkeit
Entstehung
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betrieb es nur als pädagogiſches Mittel zur Erfriſchung und Erkräftigung ſeiner Zöglinge, und die Luſt im Springen und Klettern ſtimmte zu dem frohen Muth, mit dem die Schnepfenthaler Rothjacken und Blauhoſen in Wind und Wetter durch Berge und Wälder zogen und ohne Fröſteln in mannshohem Schnee der Eiſeskälte trotzten. Jahn packte die Maſſen, weckte das Selbſtbewußtſein einer geglie⸗ derten Geſammtheit und ſuchte in flammender Rede und friſchem Geſange jedem Turner das Vollgefühl eines deutſchen Patrioten einzuhauchen. Spieß wußte, ohne eine patrio⸗ tiſche Tendenz zu präciſiren, die ſittlichen Elemente des Turnens im weiteren Sinne zu wecken und wirkſam zu machen. Ling endlich verſtand es mit ſeiner diätetiſch⸗ orthopädiſchen Kunſt, die Glieder in zahmerer Weiſe zu recken, als Jahn, und auf dem größten Turnplatz Deutſch⸗ lands, in Preußen, die deutſche Turnart durch eine ſchwe⸗ diſche zu verdrängen. Erſt die neueſte Zeit denkt wieder daran, die Turnhallen zu Schulen des Krieges zu machen und wohl auch das militäriſche Exercitium ſelbſt in dieſelben einzuführen, während indeß Andere(wie Palmer) dabei bleiben,daß das Turnen der Jugend nichts mehr und nichts weniger ſein ſolle, als ein Spiel, zu deſſen Weſen es eben gehöre, daß es dem Spielenden ſelbſt ſtets zwecklos erſcheine, wenn auch eine höhere Weisheit, die das Spiel anordnet oder geſtattet, eines Zweckes ſich ganz wohl bewußt iſt.

Es liegt uns fern, hier(in Blättern, die nicht eben für Schulmänner geſchrieben ſind) unter den Streitenden ſchlichten zu wollen, deren Jeder eine dankenswerthe Wahrheit für die gute Sache beibringt. Einehöhere Weisheit, ſo meinen wir, möge das Turnweſen immer weiter organiſiren; nur möge ſie ſich hüten, viel zu inſtruiren und dadurch den wichtigſten Titel jeder Turninſtruktion zu ſchwächen, nämlich