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Reck und Barren, am Sprungbret und Voltigirpferd ſoll die Jugend es lernen, Gräben zu überfliegen, Mauern zu er⸗ klettern und der Zuaven und Turkos wunderbarer Gewandt⸗ heit und wilder Stärke den Sieg abzuringen.
Aber wenn dieſe halsbrechenden Künſte allein es thäten,— wenn der beſte Turner als ſolcher auch ſchon der beſte Vaterlandshort wäre, dann würden wir am beſten thun, die Phalanx der Heere, mit welcher wir den Rhein vertheidigen, aus Clowns zu bilden, die wir irgend einer Reiterbude abmiethen.
Und darin eben liegt der erſte Mißverſtand, wenn man meint, die Wehrhaftigkeit eines Volkes ſtecke nur in ſeinen Gliedern und Muskeln, und der Schaden, den wir an unſerer Wehrkraft wahrnehmen, könne am Leibe allein reparirt werden. In der That hat auch ſchon der Turnunterricht ſelbſt ein höheres Ziel im Auge.
Das ſtraffe Zuſammennehmen der Kraft, das ſich Heraus⸗ wagen, die Freude am Gelingen, die Gewöhnung zum Selbſtvertrauen in der Gefahr, und zugleich der ſtrenge Rhythmus der Geſammtbewegung, der(namentlich im Spieß'ſchen Turnen) auch die Unbeholfenen und Langſamen mit ſich fortreißt und die Ungeduldigen und Ungeberdigen von dem Wirbel bis zur Zehe in feſte Zucht nimmt,— das ſind Uebungen, die Muth und Entſchloſſenheit, ſchnellen Blick und raſchen Sinn und neben freier Kraftäußerung zugleich Selbſtbeherrſchung erzeugen,— Uebungen, die nicht nur eine harmoniſche Ausbildung aller leiblichen Kräfte anſtreben, ſondern durch ihre geiſtigen Elemente auch den Charakter zur Kampfestüchtigkeit zu ſtählen ſuchen.
Ob dabei dem Turnen noch eine beſondere Tendenz zum Wehrbarmachen gegeben werden ſoll, darüber mag man ſtreiten. Der Altvater des Turnens, Gutsmuths,


