Aufsatz 
Gefahren moderner Jugendlektüre
Entstehung
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Schlimmſte oder das Beſte zu zeichnen; nur habe ein leiſer, ſelbſt noch halb ſchlummernder ſittlicher Takt dafür geſorgt, daß das Intereſſe der Handlung ſich von dem Schlechten ab und zum Guten, zum Billigen, zum Rechten hinüberneige; ihr werdet ſehen, wie die kindliche Aufmerkſamkeit darin wurzelt, wie ſie noch tiefer hinter die Wahrheit zu kommen ſucht, ja, wie der Knabe ſich feſt hinſtemmen wird auf ſeinen Punkt, um ſich zu behaupten gegen eine Rohheit, die er ſchon unter ſich fühlt. Man wird zugeben, daß die bibliſche Geſchichte auch eine Moral enthält; aber ihre Geſtalten treten keineswegs als Tugendideale(im Sinne unſerer modernen Kindermoral) auf; an den frommen Erzvätern, wie an ihren Weibern und Kindern, werden neben hohen Tugenden auch Liſt und Trug, Neid und Rache und böſe Luſt offenbar. Aber eben dieſe Wahrheit, die das Gute ohne idealiſirenden Schmuck und das Böſe in ſeiner nackten Häßlichkeit(und freilich auch ohne jede verſteckte Lüſternheit) zeigt, giebt jener Patriarchengeſchichte ihren unvergänglichen Reiz und ihren hohen pädagogiſchen Werth. Es wird das Gute nicht bewundert und angeprieſen, das Böſe nicht mit Abſcheu böſe genannt, und doch erkennt auch das Kind die Erhabenheit der Tugend und die Häßlichkeit der Sünde und ſetzen wir ſogleich hinzu auch da, wo von Lohn und Strafe nicht die Rede iſt, ahnet es das göttliche Gericht.

Manche unſerer Iugendſchriften tragen augenfällig ein chriſtliches Gepräge an ſich und bei den meiſten läßt das Romangewebe wenigſtens einen religiöſen Einſchlag durch⸗ blicken. Aber ſelbſt ſolche Schriftſteller, bei denen in der That eine chriſtliche Geſinnung vorausgeſetzt werden darf, ſchaden ihrer guten Sache nicht ſelten durch Mißverſtand und Ueber⸗ treibung. Sie wollen die Stärke des Glaubens verdeutlichen und zeichnen Helden, die unthätig und unkräftig der Hülfe