Aufsatz 
Gefahren moderner Jugendlektüre
Entstehung
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nicht liebt, ſeine eigenen Zuſtände ſich wieder vorgeführt zu ſehen und ſich ſelbſt in nachgemachter Sprache ſprechen zu hören.Der Knabe fühlt ſich ungern klein, er möchte ein Mann ſein; der ganze Blick eines wohlangelegten Knaben iſt über ſich gerichtet; und wenn er acht Jahre hat, geht ſeine Geſichtslinie über alle Kinderhiſtorien hinweg.(Herbart.) Er möchte die große Welt ſehen und erfahren, nicht die kleine; er möchte an männlicher Größe ſich aufrichten. Und wie ſollen nun Kinder die Helden des Kinderbuches ſein, da ſie in der That keine Helden ſind? Will man ſie zeichnen, wie ſie ſind, ſo kommt eben nicht viel mehr heraus, als das, was die Kinder aufhören ſollen zu ſein, nämlich wirkliche unerzogene und kin⸗ diſche Kindlein. Will man ſie aber zu Helden machen, ſo bekommt man weſenloſe Engelchen und lächerliche Zierpüppchen. Die rüſtige und geſunde Jugend merkt die Fälſchung der Kinder⸗ natur, macht ſich luſtig darüber und verliert dabei wenig mehr als die kindliche Ehrfurcht vor dem Buche(was freilich ſchon ſchlimm genug iſt); die ſchwächlichere dagegen, die man wohl auch die wohlerzogene nennt, gewöhnt ſich an jene affek⸗ tirten Figürchen und ſucht im beſten Glauben ſie im eigenen Benehmen nachzukünſteln. Man ſehe ſolche Kinderbücher! Wenn ſie auch in neuerer Zeit ſich dadurch zu verbeſſern ſuchen, daß ſie zwiſchenein einen entſetzlich böſen Buben, eineliebe⸗ leere Stiefmutter oder einen grauſamen Pflegevater auftreten laſſen(wie denn überhaupt neben jenen Kinderheroen die Väter und Mütter derſelben eine ſehr ärmliche Rolle ſpielen), ſo ſchwebt doch über Allem die Glorie der Kinderengelhaftigkeit. Die Geſchichten(wir erinnern z. B. an die viel geprieſenen verſificirten Kinderkomödien von Ernſt v. Houwald) fließen über von rührender Kinderliebe, erſtaunlicher Wohlthätigkeit und unerhörtem Edelmuth. Die geheimſten und heiligſten Regungen des kindlichen Herzens werden herausparlirt; und die Affektirt⸗