Aufsatz 
Gefahren moderner Jugendlektüre
Entstehung
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gemeinſamen Intereſſes an der Lektüre ſelbſt wird ihr fehlen. Denn das Kinderbuch, und dieß iſt ein großer Vorwurf, von dem es getroffen wird, iſt nur den Kindern genießbar, nicht den Erwachſenen.

Wenn aber in der angedeuteten Weiſe das Kinderbuch dem lebendigen Geſang, der friſchen Rede und überhaupt einem lieblichen und fruchtbaren Verkehr des Familienlebens entfremdet, ſo fragt ſich, ob es dieſen Verluſt nicht dadurch reichlich aus⸗ gleiche, daß es das Leben im Großen in wahren Bildern vor⸗ führt und dadurch das Kind, wie man ſo gerne erwartet, mit Menſchenkenntniß und Welterfahrung bereichert, mit großen Gedanken und edlen Empfindungen erfüllt.

Das natürliche Kind ſelbſt hat einen lebhaften Trieb nach der Wahrheit des Lebens. Wenn ces, tiefaufathmend von der Geſchichte ſeiner Bücherhelden, alſobald fragt: Iſt es auch wahr? und ihm mit Nein oder mit lächelndem Achſelzucken geantwortet wird, ſo iſt es faſt rührend, zu ſehen, wie es mit ſeinen Empfindungen, die es nun an ein Luftgebilde verſchwen⸗ det ſieht, nicht wieder zur Ruhe kommen kann. Es möchte den trügeriſchen Erzähler haſſen, und erſt nach und nach wird es ſo weit abgeſtumpft, daß es ſein Intereſſe willig an den Reiz der Lüge hingiebt. Das Kind beſitzt auch einen richtigen Sinn für Wahrheit. Man erzähle ihm die Fahrten des Odyſſeus, oder auch das ächte Volksmärchen, es wird nicht leicht durch Zweifel an der Wahrheit beunruhigt werden. Es merkt, daß dieſe Welt weit ab von der Wirklichkeit liegt, aber es fühlt zugleich die innere Wahrheit ſo deutlich, daß es von dieſen Dichtungen in gleichem Maße befriedigt iſt, wie von der Wirklichkeit.

Wie ſteht es nun mit der Wahrheit unſerer Kinderſchrif⸗ ten? Wir erkennen ſehr wohl, daß manche Kinderſchriftſteller