Vater und Mutter nicht, die Geſchichte eben ſo gut wiſſen, als ſie im Buche zu leſen iſt.— Es wird wenig helfen, daß Jac. Glatz, W. Curtmann u. A. kleine Geſchichten drucken laſſen,„vorzuerzählen von Müttern, Geſchwiſtarn und Lehrern.“ Die Kunſt, Kindern zu erzählen, lernt ſich nicht aus Büchern, und wenn ſie ſich erlernen ließe, man wird doch die Geſchichten, ſtatt ſie zu erzählen,— den Kindern zum Leſen geben. Allerdings gilt dieſe Klage über die Auflöſung eines lieb⸗ lichen und fruchtbaren Verkehrs zwiſchen Alter und Jugend am meiſten der früheſten Kindheit; denn der gereifteren Jugend vermag, bei unſerer vorgeſchrittenen Entwickelung, der Erzähler das Buch nicht mehr entbehrlich zu machen. Aber ſelbſt auf dieſer Stufe der Reife führt das Kinderbuch zu einem Verluſt des Familienlebens. Denn in jener Zeit, von der Göthe⸗ rühmt, daß ſie noch keine Kinderbibliotheken kannte, daß„aber die Alten ſelbſt noch kindliche Geſinnungen hatten und es bequem fanden, ihre eigene Bildung der Nachkommenſchaft mit⸗ zutheilen,“— in jener Zeit pflegten die Alten der Jugend nicht nur zu erzählen, ſondern auch mit ihr zu leſen. Der Sohn las ſich mit dem Buche hinauf in den Gedankenkreis des Vaters; der Vater erfriſchte ſich an der neuen Freude der Jugend über das ihm altbekannte Gut. Das Buch ward beiden eine gemeinſame geiſtige Heimath, führte zur Verknüpfung und zum Austauſch ihrer Gedanken. Es war ein Theil des Familienlebens.— Unſer Kinderbuch aber führt nicht zu einer Vereinigung der Familie; es trennt ſie, es iſolirt das Kind. In ſolchen Verhältniſſen iſt es ſchon ein großer Gewinn für die Jugend, wenn die Eltern ſich dazu verſtehen, daß ſie ſich vom Kinde ſein Buch vorleſen oder das Geleſene erzählen laſſen, um dabei unmerklich zu klären, zu mäßigen und zu befeſtigen. Aber freilich, einer ſolchen Herablaſſung wird man leicht die Abſichtlichkeit anmerken, und die tiefere Wirkung eines
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