Aufsatz 
Gefahren moderner Jugendlektüre
Entstehung
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kaufen, in dem heillos naiven Glauben, daß Alles, was ſich Märchen nennt, auch eine gute Kinderſchrift ſei.

Die Wunderwelt der Schneewittchen, der Aſchenbrödel und Rübezahle, die ſich einmal in unſer Volk eingelebt und,man weiß ſelbſt nicht woher, zu einem Schattenleben unſerer moder⸗ nen Welt ſich angebildet hat(Schleiermacher), werden wir(trotz Rouſſeau's und der nüchternen Philanthropiſten Polemik) auch unſern Kindern nicht vorenthalten können und dürfen. Aber auch nur ſolchen uralten, im Volksglauben entſprungenen und in der Tradition abgeklärten Märchen möchten wir wo der Märchenmund einmal verſtummt iſt das Recht zugeſtehen, in den Kreis der Kinderſchriften einzu⸗ treten; und eine Sammlung dieſer Art, aus den Brüdern Grimm, und mit ſehr vorſichtiger und beſchränkter Auswahl aus Muſäus, Kletke, Pröhle und Andern zuſammengetragen, würde vollkommen genügen. Nur der lebendigen Rede, der Mutter, die dem Kinde auf dem Schoße aus eigenen Märchenerinnerungen neue Märchen dichtend erzählt, möchten wir niemals wehren. Solche Märchen, die,wie von ſelbſt ſich geſtalten, werden vielleicht nicht immer ſo viel Gewinn bringen, wie jene, mit welchen einſt dieFrau Rath in ihrer Luſt zu fabuliren, den kleinen Wolfgang erzog; aber es wird auch nicht zu fürchten ſein, daß das Fabuliren einer guten, erfindungsreichen Mutter Herz und Kopf ihres Lieblings ver⸗ wirre.

In keiner andern Art der Erzählung wird die Erkaltung des Lebens durch die Schrift ſo auffällig und ſtörend, als gerade in dem Märchen. Aber nicht allein hier, überall, wo das zudringliche Buch die mündliche Ueberlieferung vor⸗ zeitig verſtummen läßt, bringt es dem Kinderleben weit mehr Verluſt als Gewinn. Das geheimnißvolle Zurückhalten, die pädagogiſche Sparſamkeit, welche die Erzähler mit dem Vor⸗