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unpädagogiſch;— und das Leſen unſerer Jugend iſt weit weniger die Befriedigung eines geſunden Triebes nach anmuthig belehrender Unterhaltung, als eine Sache der Vergnügungs⸗ und Unterhaltungsſucht;— in der Verfrühung, der Unord⸗ nung und dem Uebermaß des Leſens verlieren auch die beſſeren Jugendſchriften ihre heilſame Wirkung.
Beſchränken wir uns auf zwei Fragen: wie die Jugend⸗ lektüre ſich zum Leben ſtellt und wie ſie ſich zur Schule verhält.
Es iſt ſchon dieß ſchlimm, daß jene Kinderpoeſie, die einſt in Geſang und friſcher Rede lebte, jetzt vor dem Kinderbuche vielfach verſtummt. Gerade unſere beſten Kinderſchriften ſind nicht viel mehr als Grabmonumente der urſprünglichſten Kinder⸗ poeſie.— Wir erinnern zunächſt an die Wiegen⸗ und Ammen⸗,Spiel⸗ und Ringelreihenlieder und an allen den luſtigen Klingklang und ſinnigen Unſinn, wie er, dem Mutter⸗ und Volksmunde abgelauſcht, jetzt in des Knaben Wunderhorn, in Weikert's Kindergärtlein, in der treffli⸗ chen Eßlinger Liederfibel, bei Otto Klumpp, Pocci und K. v. Raumer, Ernſt Meier und am vollſtändigſten in dem„deutſchen Kinderbuch“ von Karl Simrock ſich gedruckt findet. Solche Sammlungen mögen ein kulturhiſtoriſches Ver⸗ dienſt haben, aber ein praktiſcher Erfolg wird ihnen ebenſo fehlen, wie einſt deem Plato und Quinctilian, als ſie in den verkommenen Sitten ihrer Zeit den Ammen und Wärterin⸗ nen die Lieder und Sprüche zum Einlullen der Kleinen vor⸗ ſchreiben wollten. Wo der Sinn und die Sitte, in welchen jene Lieder ihren Urſprung und ihre Pflege fanden, einmal verloren gegangen iſt, da wird ſchwerlich eine Mutter die alſo verklungenen Töne aus Büchern wieder lernen. Wo aber jene Poeſie noch lebendig iſt, da wird ihr Nachdruck ſie eher ver⸗ drängen als fördern. Und wenn man dann ſolche Schriften,


