Aufsatz 
Schranke und Freiheit in der Erziehung
Entstehung
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am unbedenklichſten zu gewähren pflegt, nicht dem, der immer artig und zahm im Winkel ſitzt. Gerade einem ſolchen Knaben muß man eine Beſchäftigung immer von Neuem zurechtlegen, weil die Schlaffheit in der Freiheit noch mehr zu fürchten iſt, als der Mißbrauch.

Daß aber die freie Thätigkeit des Knaben ſich oft auf ganz andere Dinge richten wird, als auf ſolche, die gerade in der Schule verlangt und gepflegt werden müſſen, ja daß es mitunter ſchwer halten wird, die von dem Knaben ſelbſt aufgeſpürten Vorſtellungen und Erfahrungen mit denen des direkten Schulunterrichts zuſammenzufügen, das iſt allerdings zu erwarten. Es wird ſogar manchmal geſchehen, daß der auf ſeinen eigenen Wegen erfinderiſche, anſtellige und energiſche Knabe bei der Schularbeit ſich ſchwer faſſend, unanſtellig und ſchlaff zeigt. Ganz gewiß aber wird bei richtiger und conſequenter Behandlung das Geſchick und die Thatkraft, die der Knabe in der einen Richtung gewonnen, zuletzt auch in die Richtung der Schule ſich finden und dieſer ſelbſt zu Gute kommen. Es giebt Knabennaturen, die mit einer Fülle von Kraft und mit zäher Beharrlichkeit erfinderiſch in der Welt ihrer Vorſtellungen arbeiten und ſchaffen, die frühe ſelbſtändig ſich durchs Leben ſchlagen und in allen Lagen des Lebens geſchickt und tüchtig ſich erweiſen, nur nicht in der Schule Solche Naturen laufen allerdings Gefahr, gegen die beſtehenden Verhältniſſe zu verſtoßen, vielleicht für ſie unbrauchbar zu werden oder ſogar in ihnen zu Grunde zu gehen; aber ſie ſind gemeiniglich nicht die ſchlechteſten und werden vielleicht die tüchtigſten, wenn es ſchließlich gelingt, ihre Kraft einheitlich zu koncentriren. Daß dieß bei manchen nur allmälig geſchehen wird, daß darüber ein oder das andere Jahr verloren gehen kann,