Aufsatz 
Schranke und Freiheit in der Erziehung
Entstehung
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Freiheit im Landleben, wo der Knabe überall in Wald und Flur, von jedem Bauern und jedem Jäger lernen kann, mit viel minderer Gefahr zu gewähren, als in ſtädtiſchen Umgebungen, wo dem ohnedieß ſchon künſtlich erregten Knaben hundert Dinge begegnen, von denen man ſein Intereſſe abzulenken ſuchen muß. Wenn aber in ſolchen Verhältniſſen die Erziehung ſich damit zu helfen ſucht, daß ſie den Knaben zuweilen vorbedächtig und an knappem Leitſeil durch Feld und Wald führt, ſo mag damit zwar etwas genützt ſein; nur darf man ein ſolches Stück gemachter Freiheit nicht für eine volle und ächte Freiheit anſehen. Hat man, wie es allerdings der Fall ſein kann, guten Grund, nicht eine Freiheit zu wagen, wie die, in welcher Goethe's Knabennatur neben dem pedanti⸗ ſchen Unterrichte des Vaters nicht nur beim häuslichen Puppenſpiel, ſondern auch beim kecken Vagabundiren durch den Frankfurter Mikrokosmos ſich bildete, dann laſſe man dem Knaben wenigſtens im engſten Kreiſe Raum zu einer freien Thätigkeit. Man dringe zwar immer vorerſt und mit aller Entſchiedenheit auf eine vollſtändige und tüchtige Arbeit in dem, was für die Schule gethan ſein muß; aber man erhalte für den Ausgang dieſer Arbeit ſtets die Ausſicht auf eine freie Thätigkeit offen und lege auf die erarbeitete Freiheit nicht wieder die Laſt eines ſolchen Privatunterrichts, der weniger dem beſonderen Bedürfniß des Knaben, als konventionellen Zwecken dient, der wie ein herkömmlicher Luxus beibehalten wird oder auch nur dazu helfen ſoll, den Knaben ſo unausgeſetzt im Athem zu erhalten, daß er in keinen Muthwillen auszutreten ver⸗ mag. Freiheit, ſich ſelbſt zu verſuchen, ſich ſelbſt nach eigener Wahl und Luſt zu beſchäftigen, gebe man jedem Knaben, nur nicht dem, dem man ſie in der That