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hat doch im Allgemeinen die Veranſtaltungen zum Über⸗ wachen der Jugend mehr und mehr ausgebildet.
Unſere Jugend iſt weniger des äußeren Zügels ledig geworden, als— der inneren Zucht. Ihre Zuchtloſig⸗ keit iſt nicht eben größer, als ſie ehedem war, aber gewiß anders und vielleicht ſchlimmer geartet. Sie iſt nicht mehr ein Ausbruch ſtarker Kraft im Vollgefühle der Freiheit, ſondern ein ſtetes Anrauſchen unruhiger Wogen, die vom Winde hin und her gewehet werden,— nicht ein Üüberſchäumen der Thatkraft, ſondern ein Heraustreten der Thatloſigkeit,— weniger Ergebniß der Wildheit, als Zeug⸗ niß der Schlaffheit und Zerfahrenheit der Jugend.
Das aber wird nicht gebeſſert werden durch feſtere Dämme und engere Schranken der Freiheit. Die innere Zucht, die Kraft, ſich ſelbſt zu zügeln, beſitzt der noch nicht, der ſtets von Anderen gezügelt wird. Wenn ſich Charaktere bilden ſollen, ſo bedürfen ſie dazu der Freiheit. Deswegen muß der Knabe Raum haben, ſeine Kraft ſelbſtändig zu verſuchen; es muß auch einmal gewagt werden, ihn unter den Baum der Erkenntniß des Guten und Böſen zu ſtellen mit keiner anderen Hut, als mit dem Gebote Gottes in ſeiner Bruſt und mit dem Schrecken des flammenden Schwertes. Nur wenn im Handeln nach eigenem Willen von Verſuch zu Verſuch ſeine Kraft erſtarkt iſt bis zur Selbſtändigkeit im Handeln, nur dann können wir ſagen, daß wir einen Charakter in ihm gebildet haben.
Jedenfalls müſſen wir uns ſehr hüten, unſer Gewiſſen damit zu beruhigen, als ob wir mit gutem Unter⸗ richt und ſorglicher Hut für die Erziehung unſerer Kinder genug gethan hätten.
Dem Unterrichte pflegt man jetzt faſt das ganze Geſchäft der Erziehung zu überweiſen. Und allerdings


