Schranke und Freiheit
in
der Erziehung.
Knaben und Jünglinge müſſen gewagt werden, um Männer zu werden.
Herbart.
Das kühne Wort Herbart's, das hier voranſteht, iſt nicht für leichtſinnige Erzieher geſchrieben;— ſie möchten es zum Vorwand ihres Leichtſinns nehmen. Auch meine Worte wenden ſich nur an gewiſſenhafte Erzieher. Nur bei ſolchen möchte ich die Erinnerung wagen, daß die gewiſſenhafte Hut, in der ſie den Knaben halten, ſtets auch Wege zu angemeſſener Freiheit offen halten müſſe.
Es könnte zwar Manchem ſcheinen, es ſei thöricht, die Zügel noch mehr zu lockern, da ſchon der Nothruf der Zeit über maßloſe Zügelloſigkeit der Jugend allenthalben gehört wird. Aber in der That,— wenn unſere Jugend wirklich ſchlimmer iſt, als die von ehedem,— ſo iſt ſie es doch wohl nicht eben deswegen, weil unſere Kinder weniger ſtraff im Zügel gehalten werden, als ehedem unſere Väter. Im Gegentheil, ſo weit ich ſehe, iſt die Freiheit der Jugend in unſerer Zeit mehr eingeengt, als ſonſt. Der Unterricht mit ſeinem wachſenden Umfange hat die freie Bewegung mehr und mehr beſchränkt, und die häusliche Erziehung,— wenn auch noch manche Schichten der Bevölkerung ihre Kinder den Rettungshäuſern überlaſſen,—
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