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V. Eros lehrt statt zu lernen.
Als ich ein Jüngling war, da naht mir die mächtige Kypris Führend an reizender Hand ihr Söhnchen, den kindlichen Eros, Der tief senkte den Blick. Sie aber begann mit der Rede:
Hirte, da nimm dir den Eros, und sei sein Lehrer im Singen! Also sprach sie und ging' ich aber im Wahn, als ob Eros Wirklich zu lernen verlange, begann was von Liedern ich wusste: Wie einst Pan sich die Pfeife, Athene die Flöten erfunden,
Auch wie Hermes die Leier, Apollon die. Laute verfertigt.
AIl dies lehrte ich ihn, doch achtete nicht er der Worte,
Sondern er sang mir selbst nun Lieder der Liebe und lehrt' mich, Was nur Menschen und Götter entflammt und die Thaten der Mutter. Und ich vergass gleich Alles, was selbst ich den Eros gelehret,— Aber die Lehren des Eros, die Lieder der Liebe, behielt ich.
VI. Eros und die Musen.
Eros, der grausame Gott, nicht wird er gescheut von den Musen, Sondern von Herzen geliebt; stets folgen sie ihm auf dem Fusse, Und wagt einer zu dichten mit liebunfähiger Seele,
Fliehen sie eilig zurück und weigern sich ihn zu belehren.
Doch wenn einer im Herzen von Eros getroffen ein Lied singt, Strömen zu diesem sogleich sie alle in Eile zusammen.
Ich kann selbst es bezeugen, wie sehr dies Wort sich bewähret: Will ich von anderen Göttern, von anderen Sterblichen singen, Stammelt die Zunge mir gleich und singt nicht mehr so wie vordem, Stimm’ ich aber ein Lied auf Lykidas an und auf Eros,—
Ja dann strömt mir der Sang von den Lippen mit freudigem Schalle.
IX. An den Abendstern.
Hesperus, goldener Stern du der schaumentstiegenen Göttin, Hesperus, heilige Zier du der dunkelen Nacht, o Geliebter!
So viel schwächer an Glanz als der Mond, wie den Sternen du vorstrahlst,
Sei mir gegrüsst mein Freund! und bring' ich dem Schäfer das Ständchen,


