Aufsatz 
Übersetzungsproben aus Bion, Moschos und Tibullus
Entstehung
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ähnliche Stoffe behandeln. Wührend nämlich dieser nur in einigen wenigen Stellen an die Richtung der alexandrinischen Dichterschule anklingt, ist diese Richtung in Beiden schon weit entschiedener ausgeprägt. Beide besitzen nicht des Theokritos Einfachheit, Anspruchslosigkeit und Naivetät. Theokritos zeigt sich besonders gross in Behandlung und Durchführung mimisch-dramatischer Stoffe, Bion und Moschos wählen sich Gegen- stände, die sich vorzugsweise für eine malerische Beschreibung eignen. Aber in Be- handlung solcher Stoffe zeigen sie sich in der That als Meister,sie führen, wie Manso sagt,einen Pinsel, der wenn auch nicht kühn und kräftig, doch reich und zart ist. Gerade diese Zartheit aber und dieser Farbenreichthum könnte für Manche leicht das Kernkräftige des Theokritos aufzuwiegen scheinen, und das mehr an das Moderne erinnernde Epfindungsvolle in manchen ihrer Gedichte dürften nicht Wenige gerade als einen Vorzug anzusehen sich für berechtigt halten. Sei es mir vergönnt aus einer Uebersetzung beider Dichter hier einige Proben mitzutheilen. Zu Grunde gelegt ist:Theocritus, Bion, Moschus tertium edidit Augustus Meineke. Berolini MDCCCLVI. Abweichungen von diesem Texte sind angemerkt. Uebersetzungen haben mir zur Vergleichung zu Gebote gestanden: Manso 1807, Notter 1855, Zimmer- mann 1856 und Hartung 1858. Besonders glückliche Wendungen meiner Vorgünger habe ich mich an einigen Stellen nicht gescheut, dem einen oder dem andern zu ent- nehmen, weil ohne dies ein Fortschritt in der Uebersetzung kaum denkbar wäre; dass aber dadurch die Selbständigkeit meiner Arbeit keinen Eintrag erlitten hat, wird, wie ich glaube, der Vergleich lehren. Zufälliges Zusammentreffen lässt sich doch Vieles nur auf eine Weise gut und richtig übersetzen! habe ich nicht durch ängstliche Ueberarbeitung zu beseitigen gesucht. In Beziehung auf den Versbau sind auch hier die in der Einleitung zu meiner Uebersetzung des Theokrit ausgesprochenen Grund- sätze beobachtet. 7

Wenn nun aber neben Proben aus Bion und Moschos auch solche aus dem grössten der römischen Elegiker, aus Tibullus mitgetheilt werden, so wird man darin natürlich nur etwas mehr Zufälliges erkennen. Meine Uebersetzung des Tibullus*) ist seit längerer Zeit und fast gleichzeitig mit der der griechischen Bukoliker entstanden, je nachdem ich mich in meinen Mussestunden mehr zur Uebertragung von griechischen oder von lateinischen Gedichten angeregt und hingezogen fühlte. Dennoch aber möchte vielleicht eine gewisse innere Beziehung vorhanden sein, welche mich mein Augenmerk

von Bion und Moschos auf Tibullus und von diesem wieder zu jenen zurückrichten liess.

*) Das erste Buch habe ich handschriftlich meinem verehrten Lehrer und Freund, Herrn Professor

Weleker, bei Gelegenheit seines fünfzigjährigen Amtsjubiläums am 16. Octob. 1859 überreicht.