Unter den griechischen Bukolikern ist Theokritos(blühte um 250 v. Ch. G.) nicht allein der ülteste, sondern auch der bedeutendste; Bion und Moschos sind jünger und kommen an dichterischem Werthe ihrem Vorgänger bei weitem nicht gleich. Wann sie gelebt und geblüht haben, lässt sich mit Bestimmtheit nicht entscheiden; doch hat sich die Ansicht im Allgemeinen dahin festgestellt, dass Moschos später als Bion zu setzen sei. Ein wie grosser Zeitunterschied aber zwischen Theokritos und zwischen diesem und Moschos angenommen werden solle, ist zweifelhaft. Während nämlich Einige Bion als ungeführ gleichzeitig mit Theokritos, und Moschos als nur wenig später ansetzen, wollen Andere die Blüthe Bions ungefähr 100 Jahre nach Theo- kritos bestimmen. Hartung trägt in seiner Uebersetzung der griechischen Bukoliker eine ganz andere Ansicht vor und sucht in der Einleitung(vergl. S. LIV) zu beweisen, dass Moschos ungefähr 100 Jahre nach Theokritos, Bion aber eben so viele Jahre später als Moschos geblüht habe. Wie dem nun auch sei, so viel bleibt fest stehen, dass Theokritos Beider Vorgänger in der bukolischen Poesie gewesen; dass Bion und Moschos aber auch seine Nachahmer gewesen, lässt sich mit gleicher Bestimmtheit nicht behaupten: denn wenn ihre Gedichte auch in Vielem an ihren Vorgänger erinnern, so finden sich doch auch unter diesen mit Ausnahme des nicht bedeutenden kleinen Ge- dichtes von Bion:„Die Jahreszeiten“, keine eigentlichen Bukolien, vielmehr zeigen alle einen Charakter, der weder der speciellen, noch der allgemeinen Bedeutung der Bukolien entspricht, d. h. sie führen uns weder Ochsenhirten, noch überhaupt Hirten*) vor. Der kleine poetische Nachlass Beider enthält„theils dichterisch bearbeitete Sagen aus der Mythen- und Heldenzeit, theils scherzhafte Dichtungen auf und über Eros, theils einige empfindungsvolle Gedichtchen und epigrammatische Kleinigkeiten“, und in all diesen unterscheiden sie sich wesentlich auch von den Gedichten des Theokritos, welche
*) Zwar werden noch in einigen Gedichten Hirten genannt, aber in Situationen, die nichts Charakte- ristisches haben und ebenso gut auf andere Lebensberufe passen.
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