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Erlebnissen des Dichters, die metaphysische Auffassung der Lauraoden mit dem Standpunkt der sittlichen Ideale und Werte. Nicht nach geheimnisvoll ersonnenen, metaphysischen Prinzipien, sondern nach den geschichtlichen und sittlichen Wertvorstellungen, die wie helle Sterne in unserer Brust aufstrahlen, gilt es nun, das Leben zu bewerten und danach praktisch zu handeln. Dieser Standpunkt der„Resignation“ ist zugleich der Standpunkt des Don Karlos. Aus den Schranken enger, dumpfer Leidenschaft hinausstrebend zu den Höhen idealer, selbst- entsagender Heldengrösse, so vollzieht sich die charakterologische Entwicklung des Don Karlos in einer dem systematischen Gedankengang der Resignation wie der persönlichen Ent- wicklung Schillers entsprechenden Weise. Alles Subjektive, Stürmerische und Drängerische fällt jetzt von dem Dichter wie von seinem Helden ab. Er ist innerlich geläutert und befähigt genug, auf persönliches Glück zu verzichten, um den grossen Idealen politischer, geistiger, künstlerischer und wissenschaftlicher Bildung um so stärker nachzustreben.„Wer glauben kann, entbehre. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht.“
So ungefähr stehen die Anschauungen Schillers um das Jahr 1786. als er auf Grund des Freundschaftsbundes mit Körner die Philosophischen Briefe verfasste und in der Theo- sophie des Julius jene Gedanken der Stuttgarter Epoche von neuem belebte. Zwischen den idealistischen und hedonistischen Anschauungen der Lauraoden und jenem resignierenden, von idealer Begeisterung getragenen Standpunkt des Don Karlos bestanden da freilich unüber- brückbare Gegensätze. Indem Schiller ausdrücklich die Theosophie des Julius als das Er- gebnis aus jenen Stunden seiner glücklichen Begeisterung bezeichnete, charakterisierte er sie als das, wofür sie in Wirklichkeit ihm allein noch gelten konnte, als das Glaubensbekenntnis einer durchlaufenen Geistesepoche. Aber mochte der Dichter nunmehr den theosophischen Idealismus der Lauraoden als ein geschichtliches Faktum seines Denkens stehen lassen, so nahm der Verfasser des Don Karlos um so grösseren Anstoss an dem von den Lauraoden und der Theosophie begründeten Hedonismus. Hier war der Punkt, an dem es galt, die früheren Betrachtungen wenigstens einzuschränken und den Anschauungen des Don Karlos anzupassen. Daher entstammt der Abschnitt„Aufopferung“ mindestens in seiner zweiten Hälfte nicht der Stuttgarter Epoche, sondern den Zeiten der Don Karlosdichtung. Der Dichter gibt jetzt plötzlich dem von der Theosophie vertretenen Hedonismus eine unerwartete, auf den Standpunkt des Don Karlos hinweisende Wendung und sucht durch diese nachträgliche Inter- polation eine ungefähre Ubereinstimmung seiner früheren Auffassung mit seinem jetzigen Standpunkt herzustellen.
Für die Anschauungen der ursprünglichen Theosophie hatte auch die Liebe und das Wohlwollen einen egoistischen Grund.„Ich begehre fremde Glückseligkeit, weil ich meine eigene begehre,“ so hatte Schiller-Julius am Ende des zweiten Abschnittes verkündet. Schon diese Auffassung führt zu schweren Widersprüchen. Denn die Geschichte lehrt uns Beispiele, in denen die Vergrösserung fremder Glückseligkeit nur durch die Aufopferung des eigenen Lebens bewerkstelligt werden konnte. Aber wie vergrössere ich durch diese Selbstaufopferung, dem prinzipiellen Grundsatz der Theosophie entsprechend, meine eigene Glückseligkeit? Es liegt für den theosophischen Idealismus der Lauraoden nahe, eine transzendente Lösung zu suchen, und in der Tat verkündet auch Schiller, dass die Voraussetzung einer Unsterblichkeit diesen Widerspruch aufhebe, aber, fügt der Dichter der„Resignation“ und des Don Karlos hinzu, auch für immer die hohe Grazie dieser Erscheinung entstelle.„Rücksicht auf eine


