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nur der Widerschein dieser einzigen Kraft, eine Anziehung des Vortrefflichen, gegründet auf einen augenblicklichen Tausch der Persönlichkeit, eine Verwechslung der Wesen.“„Wenn ich hasse, so nehme ich mir etwas, wenn ich liebe, so werde ich um das reicher, was ich liebe. Verzeihung ist also Wiederfinden eines veräusserten Eigentums, Menschenhass ein verlängerter Selbstmord, Egoismus die höchste Armut eines erschaffenden Wesens.“ Und zu der Bestätigung dieser Ansicht folgen nun jene liebeatmenden Strophen aus der Freundschaftsode, die uns das Walten der Liebe in der Natur und der Menschenwelt so lebhaft verkünden. Stünd' im All der Schöpfung ich alleine, Seelen träumt ich in die Felsensteine, Und umarmend küsst ich sie. Meine Klagen stöhnt ich in die Lüfte, Freute mich, antworteten die Klüfte, Tor genug, der süssen Sympathie.
Diese Liebe ist nicht bloss menschlich; sie ist in ihrem Wesen metaphysisch und in ihren Beziehungen göttlich. Daher beginnt die Liebe mit uns selber und endet in der Er- kenntnis Gottes.„Alle Vollkommenheiten im Universum sind vereinigt in Gott. Gott und Natur sind zwei Grössen, die sich vollkommen gleich sind. Die ganze Summe von harmonischer Tätigkeit, die in der göttlichen Substanz zusammen existiert, ist in der Natur, dem Abbilde dieser Substanz, zu unzähligen Graden und Massen und Stufen vereinzelt. Die Natur ist ein unendlich geteilter Gott. Wie sich im prismatischen Glase ein weisser Lichtstreif in sieben dunklere Strahlen spaltet, hat sich das göttliche Ich in zahllose empfindende Substanzen ge- brochen. Wie sieben dunklere Strahlen in einen hellen Lichtstreif wieder zusammenschmelzen, würde aus der Vereinigung aller dieser Substanzen ein göttliches Wesen hervorgehen. Die vorhandene Form des Naturgebäudes ist das optische Glas und alle Tätigkeiten der Geister nur ein unendliches Farbenspiel jenes einfachen göttlichen Strahles.“ Wieder stehen diese Worte mit der Auffassung der Lauraoden in schönster Verbindung. Hatte daselbst doch der Dichter die Liebe als ein„unersättlich Dringen“ bezeichnet, das„verlorene Wesen einzuschlingen“, „Gottheit zu erschwingen,“ und demzufolge die Wiedervereinigung aller Einzelwesen in dem Urgrund der göttlichen Monade als das Endziel der metaphysischen Weltentwicklung gepriesen. Ganz dementsprechend wird jetzt von der Theosophie Anfang und Ende des Weltgeschehens umzeichnet.„Die Anziehung der Elemente brachte die körperliche Form der Natur zu stande. Die Anziehung der Geister, ins Unendliche vervielfältigt und fortgesetzt, müsste endlich zur Aufhebung jener Trennung führen oder Gott hervorbringen. Eine solche Anziehung ist die
Liebe. Liebe, Liebe leitet nur
Zu dem Vater der Natur, Liebe nur die Geister.
II. Die erste Einschiebung. Dass mit allen diesen idealistischen und theosophischen Anschauungen die Philosophischen Briefe in der Zeit der Lauraoden wurzeln, ist kein Zweifel und dergestalt augenscheinlich, dass es nie hätte bestritten werden sollen. Aber die geistige Entwicklung Schillers in dieser gährendsten Periode seines Lebens überschreitet ausserordentlich schnell den Standpunkt dieses theosophischen Optimismus und vertauscht, nicht unbeeinflusst von den persönlichen


