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belohnende Zukunft schliesst die Liebe aus. Es muss eine Tugend geben, die auch ohne den Glauben an Unsterblichkeit auslangt, die auch auf Gefahr der Vernichtung das nämliche Opfer wirkt.“ Wir erkennen nun den Einschlag der„Resignation“ und des Don Karlos in die Philo- sophischen Briefe. Nicht nach transzendenten, metaphysischen oder theologischen Spekulationen, sondern nach den immanenten Werten unseres Glaubens sollen wir das Leben bewerten und praktisch handeln. Diese Ideen der Resignation und des Don Karlos klingen uns auch hier deutlich vernehmbar entgegen. Es gehört mit zu den wichtigsten Ergebnissen der philosophi- schen Entwicklung Schillers, dass Schiller die Idee von der Selbständigkeit und dem alleinigen Wert der Tugend und der Unabhängigkeit der Ethik von der Metaphysik und Religion schon längst vor seinen kantischen Studien gefasst hatte. Die religiöse Auffassung der Lauraoden weicht dem sittlichen Idealismus der„Resignation“ und des Don Karlos. Daher liegt der Wert des menschlichen Lebens in der Summe seiner Geschehnisse, des Guten und Idealen, das es in der Welt hervorbringt, nicht aber ausser oder über ihm. Statt des Unsterblichkeits- gedankens und der Lohntheorie tritt uns die ideale Auffassung des Marquis Posa von dem unbedingten Selbständigkeitswert alles sittlichen Handelns entgegen.„Denke Dir eine Wahrheit, mein Raphael, die dem ganzen Menschengeschlechte auf entfernte Jahrhunderte wohl tut— setze hin- zu diese Wahrheit verdammt ihren Bekenner zum Tode, diese Wahrheit kann nur erwiesen werden, nur geglaubt werden, wenn er stirbt. Denke Dir dann den Mann mit dem hellen, umfassenden Sonnenblicke des Genies, mit dem Flammentod der Begeisterung, mit der ganzen erhabenen Anlage zur Liebe. Lass in seiner Seele das vollständige Ideal jener grossen Wirkung emporsteigen, lass in dunkler Ahnung vorübergehen an ihm alle Glücklichen, die er erschaffen soll, lass die Gegenwart und die Zukunft zugleich in seinem Geist sich zusammendrängen und nun beantworte Dir: bedarf dieser Mensch der Anweisung auf ein anderes Leben?“
Solche Ideen geben uns freilich andere Perspektiven als die Lauraoden. Hat der Dichter, wie der Deismus des Don Karlos beweist, auch nicht auf jedes metaphysische Bekenntnis ver- zichtet, so bewegt sich diese Metaphysik doch in sehr bescheidenen Grenzen. Grundlegend und im ethischen wie persönlichen Sinne wertvoll erweist sich allein die Geschichte, die nun für den Dichter zu demjenigen wird, was für Schiller, den Stürmer und Dränger, die Lauraoden geleistet hatten: zu der Grundlage einer streng in sich geschlossenen, einheitlichen Welt- und Lebens- anschauung. Damit vollzieht sich zugleich in Schillers philosophischer Entwicklung die Verselb- ständigung der Ethik gegenüber der Metaphysik und dem religiösen Glauben. Dieser Stand- punkt der„Resignation“ und des Don Karlos ist auch der Standpunkt der„Aufopferung“ in den theosophischen Briefen, ein Beweis für die systematisch notwendige Umgestaltung, durch die der ursprüngliche Hedonismus der Lebensanschauung Schillers sich dem höheren Wert- standpunkt der Don Karlosepoche angepasst hat,.
III. Die zweite Einschiebung.
Allein das Janusantlitz der Philosophischen Briefe lässt uns nicht nur von der Don Karloszeit rückwärts in die Stuttgarter Epoche, sondern auch auf die zukünftige Geistesent- wicklung Schillers blicken. Für diese aber gibt es zunächst nur eine alles überstrahlende geistige Grösse. Diese geistige und sittliche Grösse ist Kant. Unter kantischem Einfluss stand aber Körner schon während der ersten Freundschaft mit Schiller. Dass in den Gesprächen der beiden Ereunde öfters von Kant die Rede gewesen ist, Schiller an die Bedeutung der einzigartigen Erscheinung Kants gemahnend, würden wir vermuten könnnen, auch wenn wir


