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Verwirklichung großer Entwürfe bedurfte. Es iſt nicht nöthig, viele Worte zu machen über das, was in aller Mund und Gedächtniß iſt: über den Muth, mit dem er den Kampf gegen das über⸗ legene Oeſterreich und bald darauf gegen den feindſeligen, zu ſeinem Verderben geſchloſſenen Bund der größten und mächtigſten Staaten von Europa aufnahm, über die Ausdauer, mit welcher er ihn unter den ſchwierigſten Verhältniſſen durchführte, über die geniale Feldherrnkunſt, mit der er ſeine Siege gewann. Auch ſeine Größe und ſeine Thaten trugen ihre Wirkung weit über die Grenzen ſeines Landes hinaus: preußiſche Kriegseinrichtungen wurden überall, ſelbſt von Widerwilligen und Fremden nachgeahmt; nicht blos preußiſche Sänger feierten den königlichen Helden, aller Orten ertönte ſein Lob und aller Orten fühlte man lebhaft, daß dem deutſchen Nationalgefühl und dem ſelbſtbe⸗ wußten Handeln durch ihn eine mächtige Anregung und ein wirkungsvolles Beiſpiel gegeben wor⸗ den ſei.
Und noch ein drittes Mal ſollte Preußen dem übrigen Deutſchland das Banner zur Erhebung aus tiefer Noth vorantragen. Es hatte geglaubt, auf den erworbenen Lorbeeren ruhen und in froher Zuverſicht ſeiner Unnahbarkeit allen Gefahren und Angriffen, welche die gewaltſame Erſchütterung der Weltverhältniſſe und die Siegeslaufbahn eines kühnen Emporkömmlings zu bringen ſchien, unbe⸗ ſorgt entgegenſehen zu können. Da ward es furchtbar enttäuſcht und durch ſchwere, hart auf einander folgende Schläge ſeines Irrthums überführt. Aber es ſchüttelte ſeine Schwäche ab, bereitete durch neue freiſinnige Einrichtungen im Innern die Zeit einer Wiedergeburt vor, und als der rechte Zeit⸗ punkt dazu gekommen, als die alte Kraft wieder gewonnen war: da raffte es ſich zuſammen und warf die Bande ab, in denen es kurze Zeit gelegen hatte. Von ihm ging die deutſche Erhebung ge⸗ gen die fremde Uebermacht aus; von ihm verbreitete ſich das Feuer, das damals alle deutſchen Her⸗ zen entflammte. Der Aufruf des Königs von Preußen an ſein Volk hallte auch außer Preußens Grenzen wieder und rief viele Tauſende unter die Fahnen gegen den für unbeſiegbar gehaltenen Feind. Und als es nun zum Schlagen kam und die Entſcheidung der Waffen angerufen wurde, da leuchtete durch unerſchütterlichen Muth und jugendliche Kampfesfreudigkeit der preußiſche Feld⸗ herr, der alte Blücher, allen voran. Mögen andere in kluger Berechnung und Feldherrnkunſt ihm weit überlegen geweſen ſein; an Kraft und Feſtigkeit des Willens übertraf er alle, und durch dieſe Eigenſchaften riß er die ſchwankenden Gemüther unwiderſtehlich mit ſich voran, bis der Sieg erlangt, bis Preußen ſeine alte Größe wiedergegeben und die Abhängigkeit der übrigen deutſchen Staaten ge⸗ brochen war.
Hütte Preußen auch kein anderes Verdienſt um das übrige Deutſchland ſich erworben, als daß es durch ſeinen Muth und ſeine Kriegstüchtigkeit ihm in Zeiten äußerer Bedrängniß und Ge⸗ fahr Schutz und Vorbild geworden iſt: ſo wäre auch das ſchon hoch anzurechnen; aber es hätte damit noch keinen Anſpruch auf die höhere Anerkennung, die dem Erhalter und Förderer geiſtiger Güter und Tugenden gebührt. Doch auch hier ſind wir ihm nicht geringen Dank ſchuldig, zunächſt dafür, daß es ein Hort der proteſtantiſchen Lehre in Deutſchland geworden iſt. Zwar gehörten die brau⸗ denburgiſchen Kurfürſten nicht zu den Fürſten, welche den erſten, noch zarten Keim der Reformation unter ihre Obhut nahmen: dies Verdienſt gebührt vor allen den ſächſiſchen und heſſiſchen Fürſten.


